Tennis

«Wahnsinn» - Furioser Struff feiert Achtelfinal-Premiere

03. Juli 2026 , 20:54 Uhr

Struff hat in Wimbledon erstmals die dritte Runde überstanden und die Chance auf das Viertelfinale. Bei seinem Coup gegen Medwedew fragte er in einem entscheidenden Moment nach dem Videobeweis.

Jan-Lennard Struff zog sein Käppi ab, klatschte mit dem russischen Top-Ten-Spieler Daniil Medwedew ab und strahlte überglücklich. Der furios aufspielende Davis-Cup-Spieler feiert dank eines Tennis-Coups in Wimbledon seine Achtelfinal-Premiere. Seine Drittrundenpartie gegen den früheren US-Open-Sieger gewann der 36-Jährige mit einem starken und furchtlosen Auftritt 7:6 (7:4), 7:6 (7:5), 7:5. Eindrucksvoll bewies er seine immense Willensstärke und seine Comeback-Qualitäten. 

«Es war Wahnsinn», fasste der Davis-Cup-Spieler stolz zusammen. «Es war ein unglaubliches gutes Match. Ich wusste, dass ich sehr gut spielen muss, um ihn zu schlagen. Was soll ich sagen – ich bin happy.»

Nun gegen Hurkacz – «Arsch aufreißen»

Mit einem Erfolg am Sonntag gegen den früheren Wimbledon-Halbfinalisten Hubert Hurkacz aus Polen hat Struff die Chance, erstmals bei einem der vier Grand-Slam-Turniere das Viertelfinale zu packen. «Es wird eine brutale Aufgabe. Ich werde alles auf dem Platz lassen und werde mir den Arsch aufreißen», meinte er.

Am Samstag möchte ihm zunächst einmal French-Open-Sieger Alexander Zverev ins Achtelfinale folgen. Für den Weltranglisten-Dritten aus Hamburg soll die Drittrundenpartie gegen US-Profi Marcos Giron nur eine Zwischenstation werden. Struff und Zverev sind die einzigen beiden deutschen Tennisprofis, die noch im Einzel dabei sind. 

Kurioser Videobeweis und immer wieder Rückstände

Wie bei seinen beiden umkämpften Fünf-Satz-Siegen in den ersten beiden Runden bewies Struff auch gegen Medwedew einmal mehr, dass man ihn bei Rückständen nicht abschreiben darf. In allen drei Sätzen machte der Außenseiter einen Rückstand wett. Im ersten Abschnitt lag der Warsteiner 1:3, im zweiten Durchgang 3:5 hinten – und kämpfte sich jeweils erfolgreich zurück.

Im dritten Durchgang bog Struff sogar ein 2:5 um – auch dank eines kuriosen Videobeweises. Bei Breakball für sich verlangte Struff, zu überprüfen, ob Medwedews Ball tatsächlich über das Netz geflogen war. Die Bilder zeigten, dass der Ball durch ein Loch zwischen Netzkante und Pfosten hindurchflog. «Es war ja nicht möglich, dass er anders reingeht», kommentierte Struff, machte der Schiedsrichterin aber keinen Vorwurf. 

Struff gelang somit das Break, er verkürzte und gab dann kein Spiel mehr ab. Nach 2:49 Stunden unterlief dem ehemaligen Weltranglisten-Ersten Medwedew beim Matchball für Struff ein Doppelfehler. «Das Wichtige ist, niemals aufzugeben. Ich freue mich riesig», erklärte Struff. 

Insgesamt erreichte der Davis-Cup-Spieler sein viertes Grand-Slam-Achtelfinale nach den Erfolgen bei den French Open 2019 und 2021 sowie den US Open 2025. Ein Preisgeld von rund 350.000 Euro hat er sicher. «Weltklasse», beglückwünschte Doppelspezialist und Davis-Cup-Teamkollege Kevin Krawietz. «Der Sport ist so verrückt, dass man immer wieder eine Chance hat, wenn man dranbleibt.»

Überraschender Erfolg in schwieriger Saison

Der Erfolg von Struff kommt auch deswegen unerwartet, weil er in dieser schwierigen Saison auf der ATP-Tour noch keine zwei Matches nacheinander gewonnen hat. «Es ist Wimbledon, es ist speziell, es ist toll, einfach hier zu sein», begründete Struff seine Motivation. «Ich versuche, es mir immer wieder zu erarbeiten.»

Viermal war Struff schon zuvor in Wimbledon zu Drittrundenmatches angetreten, war aber jeweils ausgeschieden. Im vergangenen Jahr war der spanische Topstar Carlos Alcaraz für ihn zu stark, 2024 Medwedew. Die Bilanz gegen den Russen hatte mit nur einem Sieg aus neun Duellen klar gegen den Weltranglisten-74. gesprochen. Doch diesmal klappte es wieder.

Sein Fokus liegt nun auf der nächsten Herausforderung gegen den früheren Top-Ten-Spieler Hurkacz. Vom geplanten Doppel-Auftritt mit Davis-Cup-Kollege Yannick Hanfmann, der noch für heute angesetzt war, zog Struff zurück. «Es wäre zu viel gewesen. Ich kann nicht naiv da hereingehen. Es tut mir leid für Yannick. Aber er hat Verständnis dafür. Ich brauche alle Körner.»

Quelle: dpa

 

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