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Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot

01. Februar 2026 , 17:00 Uhr

Sie war eine Vorkämpferin für ein modernes Familienbild und die Gleichberechtigung von Frauen. Damit überforderte sie oft auch ihre Partei, die CDU. Nun ist Rita Süssmuth gestorben.

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem eingesetzt für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft.

Parteiübergreifend wurde Süssmuth als große Politikerin gewürdigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte sie einen «Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen», Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eine «politische Ausnahmeerscheinung». SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: «Sie war ein Vorbild, über alle Parteigrenzen hinweg.»

Unbekannte Seiteneinsteigerin wurde rasch populär

Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald «lovely Rita» genannt.

Beginn der beruflichen Karriere im Hörsaal

Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund.

Wahlkreis Göttingen dreimal direkt gewonnen

Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen.

Mit Familienbild für viele in der CDU zu modern 

Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. «Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken», lautete ihre Maxime.

Erst zweite Frau an der Spitze des Bundestages

1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin.

Vorkämpferin für mehr Frauen in der Politik 

Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität. Klöckner sagte: «Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.» Klöckner wies auf Süssmuths «Elan und ihre Beharrlichkeit» hin, die zahllose Menschen inspiriert hätten. 

«Eine herausragende Demokratin»

Merz sagte laut einer Mitteilung: «Rita Süssmuth hat sich lebenslang für Deutschland engagiert.» Sie sei Vorkämpferin gewesen für Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen. «Für eine moderne und offene Gesellschaft hat sie beispielhaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt.»

SPD-Chefin Bärbel Bas sagte, Süssmuth habe Frauen ermutigt, politische Verantwortung zu übernehmen. Sie selbst habe gezeigt, dass Führungspositionen selbstverständlich auch von Frauen ausgefüllt werden. «Damit war sie Vorbild, Wegbereiterin und Ermutigung über Parteigrenzen hinweg und hinterlässt eine große Lücke.» SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nannte Süssmuth «eine herausragende Demokratin».

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann zeigte sich dankbar, Süssmuth gekannt zu haben. «Sie war eine so aufrechte Demokratin und Parlamentarierin mit großer Leidenschaft. Zeit ihres Lebens hat sie sich stark gemacht für die Rechte von Frauen, für Gleichberechtigung und Parität.». 

«Ihre Stimme wird fehlen»

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete Süssmuth als «eine wirkliche Pionierin der Chancengleichheit und eine große Architektin einer gerechten und weltoffenen Gesellschaft». Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte: «Persönlich verliere ich ein Vorbild und eine wichtige Inspirationsquelle.» Ein «großes Vorbild» nannte auch Frauenministerin Karin Prien (CDU) Rita Süssmuth. «Ihre Stimme wird fehlen.»

Quelle: dpa

 

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