In Forchheim macht heute ein Unternehmen auf die Krise in der Stahlbranche aufmerksam: Die Firma Gebrüder Waasner beteiligt sich am europaweiten Aktionstag der stahlverarbeitenden Industrie. Dafür wird um 13 Uhr 30 kurz die Produktion gestoppt. Unterstützt wird die Aktion auch von der IG Metall Bamberg. Hintergrund sind steigende Kosten und wachsende Konkurrenz aus dem Ausland, so der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Martin Felder:
„Unternehmen in Deutschland, die die gleichen Produkte fertigen, müssen die Rohstoffe aufgrund der Zölle teuer einkaufen, bevor sie diese dann weiterverarbeiten können und haben daher einen massiven Wettbewerbsnachteil. Das betrifft übrigens nicht nur die Firma Waasner in Forchheim, sondern viele Industrieunternehmen, die in Deutschland produzieren. Somit stehen hunderttausende Arbeitsplätze und unser Wohlstand auf dem Spiel.“
Die Branche „Herstellung von Metallerzeugnissen“ zählt mit 9.570 Mitarbeitern zu den wichtigen Arbeitgebern in Oberfranken Von der Politik werden jetzt faire Wettbewerbsbedingungen gefordert, um Arbeitsplätze zu sichern. Das fordert auch die IHK Oberfranken, die den Protesttag ebenfalls unterstützt.
Radio Bamberg Geschäftsführer Mischa Salzmann hat darüber mit Michael Waasner, dem Geschäftsführer der Firma Gebr. Waasner und Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth gesprochen:
Mischa Salzmann: Michael Waasner, normalerweise sind Unternehmer, Arbeitgeber nicht auf Demonstrationen zu sehen, jetzt aber gibt es eine von den Arbeitgebern, von den Familienbetrieben. Warum diese Demo?
Michael Waasner: Ja, es ist ein europaweiter Aktionstag und wir haben ein ganz klares Ziel. Die EU wird ihre Zölle auf Stahl zum 1.7. auf 50% verdoppeln, aber auf die Produkte, die sehr viel Stahl enthalten, werden die Zölle nicht erhoben. Das heißt natürlich, dass unsere weltweiten Wettbewerber momentan fast zollfrei diese Produkte in die EU liefern können. Und es gibt ein Riesenproblem. Schon die letzten Jahre ist das Material Stahl immer weniger verkauft worden, weil eben so viel in weiterverarbeiteter Form in die Europäische Union kommt. Dazu kommt noch das Thema CO2-Grenzausgleich CBAM. Dafür gilt genau das Gleiche. Momentan CBAM nur auf Stahl, aber CBAM nicht auf Stahlderivate. Das müssen wir ganz schnell ändern.
Mischa Salzmann: Was bedeutet das für Ihr Unternehmen und für die Unternehmen, die Sie als IHK-Präsident ja vertreten, hier in Oberfranken?
Michael Waasner: Na ja, es bedeutet natürlich, dass die ganz massiv Wettbewerb bekommen. Also es ist zum Beispiel so, die Teile, die wir herstellen, also Rotor-Pakete, Stator-Pakete für Elektromotoren, kann ich beispielsweise in China 40% billiger bekommen. Aber in der EU zahle ich ja schon 70% nur fürs Material. Das heißt, ich kaufe in der EU das Material teurer ein, als man meinen Teil dann in China einkaufen kann. Und den Unterschied können wir nicht mehr ausgleichen.
Mischa Salzmann: Was fordern Sie?
Michael Waasner: Wir fordern, dass die EU ganz ähnlich wie die USA ihren Stahlzoll und CBAM auch auf stahlintensive Produkte erweitert.
Mischa Salzmann: Wie wird dieser Protest ablaufen? Sie haben gesagt europaweit, aber wie wird es in Oberfranken, wie wird es bei uns ablaufen?
Michael Waasner: Also es geht um Sichtbarkeit. Wir haben europaweit eben den 28. April ausgemacht und wir werden die Arbeit niederlegen. Wir werden vor die Werkstore gehen. Ich werde dort was sagen und wir hoffen natürlich auf viel Öffentlichkeit, damit man Öffentlichkeit auch versteht. Was wir hier wollen, ist kein Geld von der EU. Wir wollen keine Unterstützung. Wir wollen einfach nur eine gute, faire Rechtsetzung, eine faire Zölle, so dass wir hier weiterhin auch unsere Kunden beliefern können.
Mischa Salzmann: Wie schaut das aus, wenn das nicht kommt? Oder nicht schnell genug kommt? Was würde das für Arbeitsplätze hier bei uns bedeuten?
Michael Waasner: Es ist natürlich so, neue Projekte werden vermutlich dann anderswo hin vergeben und nicht zu uns, wenn sich derartig hohe Preisunterschiede ergeben. Wie gesagt, momentan ist es nicht fair. Wir wissen, wir brauchen die Handelsmaßnahme Stahl, weil der Stahl in China sehr, sehr günstig zu unfairen Bedingungen angeboten wird. Aber eben die Teile weiterhin hier in der EU, das ist Dumping und dagegen müssen wir vorgehen.