Ein Schweizer Triumph und gleich doppelt Grund zur Freude für Gastgeber Italien: Zum Auftakt der alpinen Ski-Rennen von Olympia haben die Favoriten eine große Abfahrtsshow geliefert. Weltmeister Franjo von Allmen raste in Bormio zum ersten Gold dieser Winterspiele. Giovanni Franzoni auf Platz zwei und Teamkollege Dominik Paris als Dritter ließen die italienischen Heim-Fans jubeln. Deutschlands einziger Starter Simon Jocher spielte als 21. keine Rolle im Medaillenkampf.
Von Allmen, Franzoni und Paris grinsten, als sei im strahlenden Sonnenschein am Fuße der legendären Stelvio-Piste von Fürst Albert von Monaco die Medaillen umgehängt bekamen. «Das fühlt sich an wie im Film», stammelte von Allmen nach seinem Coup. Der 24-Jährige hatte im Vorjahr schon Gold bei der WM gewonnen und auch die Abfahrts-Generalprobe vor Olympia in Crans-Montana dominiert. «Das fühlt sich nicht echt an.»
Flankiert wurde der Eidgenosse, der im unteren Teil der Abfahrt den Vorsprung von 0,2 Sekunden auf Franzoni und 0,5 Sekunden auf Paris herausgefahren hatte, auf dem Siegerpodest von zwei unterschiedlichen Lokalmatadoren. Franzoni ist der Shootingstar im alpinen Skisport, gewann zuletzt die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel und bestritt sein erstes Olympia-Rennen. «Was für ein unglaubliches Gefühl», sagte der 24-Jährige.
Franzonis Winter hatte mit dem tödlichen Trainingsunfall von Teamkollege und Kumpel Matteo Franzoso schlimmstmöglich begonnen – sportlich aber könnte es für den Rennfahrer vom Gardasee derzeit kaum besser laufen. Zusammen mit Paris auf dem Podium zu stehen, sei nochmal extra speziell. «Ich weiß nicht, ob er nächstes Jahr weitermacht, aber das hier ist die größte Bühne, die wir teilen können», sagte Franzoni. Der 36 Jahre alte Paris holte just in Bormio, wo er Weltcup-Rekordsieger ist, sein erstes Edelmetall bei den fünften Spielen. «Und das vor meinen Heim-Fans», sagte Paris, «das ist ganz was Besonderes.»
Erster Leidtragender dieses Abfahrtsspektakels war Superstar Marco Odermatt, der nur Vierter wurde. «Das ist schon Scheiße», sagte der beste Alpin-Sportler der Gegenwart danach. Rang vier sei «der blödeste Platz, den man haben kann. Aber ich weiß nicht, wo ich hätte noch schneller fahren können.»
Simon Jocher wusste zumindest, wo er sich Teile seines Rückstands von 2,4 Sekunden auf der Piste eingefangen hatte. «Ein bisschen weiter vorne hätte ich es mir schon gewünscht», resümierte er, «ich bin nicht zufrieden.» Auch Felix Neureuther als ARD-Experte meinte: «Da wäre mehr drin gewesen.»
Im deutschen Team hatten die Olympia-Teilnahmequoten für Ärger gesorgt. Insgesamt stehen den deutschen Alpinen nur fünf Männer-Startplätze zu – weil die Platzierungen in diesem Winter zu schlecht waren, aber auch wegen vieler Startplätze für kleine Nationen. Kritiker meinen, das widerspreche dem Leistungsprinzip. Luis Vogt, der in Kitzbühel Achter geworden war, durfte nicht zu Olympia. Und am Ende waren bei der Abfahrt nur 36 Rennfahrer am Start.
Am Sonntag (11.30 Uhr/ZDF und Eurosport) sind in Cortina d’Ampezzo die Frauen mit ihrer Abfahrt an der Reihe. Neben dem mit Spannung erwarteten Auftritt der am Knie verletzten Lindsey Vonn (USA) richten sich die Blicke auch auf Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann, die Medaillenkandidatinnen sind.
Quelle: dpa