Triathlon

Ernährung macht's: Frodeno erklärt «Riesenleistungssprung»

03. Juli 2026 , 09:31 Uhr

2016 stellt Jan Frodeno in Roth eine Weltbestzeit über die Langstrecke auf. In den zehn Jahren danach erlebt der Triathlon eine Leistungsexplosion. Frodeno nennt einen Hauptgrund.

Die Bilder von seinem Fabelrennen bei der Challenge Roth sind bei Jan Frodeno auch zehn Jahre danach noch sehr präsent. In einer Ein-Mann-Show hatte er bei dem Kult-Triathlon in Franken nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen das Triathlon-Stadion erreicht und in 7:35:39 Stunden eine Weltbestzeit über die Langstrecke aufgestellt.

Das Besondere dabei: Frodeno hatte zuvor angekündigt, die von Andreas Raelert fünf Jahre zuvor ebenfalls in Roth aufgestellte Bestzeit von 7:41:33 Stunden unterbieten zu wollen. Und der gebürtige Kölner hielt Wort. Das Rennen wurde zu einem der Höhepunkte in seiner ohnehin an Höhepunkten reichen Karriere.

Frodeno: «Habe die Klappe aufgemacht»

«Es war das erste Mal, dass ich so wirklich die Klappe aufgemacht und nicht nur das Ergebnis, sondern auch noch die Zeit dazu definiert habe», sagt der dreimalige Ironman-Weltmeister und Olympiasieger. «Das war alles in allem ehrlicherweise eine extra Dimension, die zusätzlich noch einen Stress auflegt.»

Das Krasse sei gewesen, «dass es während des Rennens keinen Moment gab, in dem ich mir erlauben konnte, einfach nur präsent zu sein», sagt Frodeno weiter. Immer sei es auch um die Zeit gegangen. «Ich dachte mir, ich kann doch nicht einmal die Zielgerade so richtig genießen.»

Großer Leistungssprung im Triathlon seitdem 

Sein Ergebnis von damals ist auch heute noch Weltklasse – Weltrekord ist die Zeit längst nicht mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Zeiten – wie in vielen Ausdauersportarten – regelmäßig und bisweilen deutlich unterboten. Auch Frodeno war bis zu seinem Karriereende 2023 noch schneller als 2016 in Roth.

Der Norweger Kristian Blummenfelt, aktuell weltbester Triathlet, drückte die Weltbestzeit am 18. April dieses Jahres beim Ironman Texas auf 7:21:24 Stunden. Er war mehr als 14 Minuten schneller als Frodeno zehn Jahre zuvor.

Bei den Frauen wackelt die Acht-Stunden-Marke

Auch bei den Frauen gab es in den zurückliegenden Jahren einen enormen Leistungssprung. Anne Haug, die vor einem Jahr ihre Karriere beendete, kratzte 2024 bei ihrem Sieg in Roth mit ihrer Weltbestzeit in 8:02:38 Stunden schon an der Acht-Stunden-Marke.

Bei der diesjährigen Ausgabe am Sonntag (6.30 Uhr/BR und ARD) könnten sich die beiden Britinnen Lucy Charles-Barclay, Ironman-Weltmeisterin von 2023, und Katrina Matthews, dreimalige Ironman-WM-Zweite, unter die Marke treiben.

Leistungsexplosion dank anderer Ernährung

«Ich meine, der Riesenleistungssprung im Triathlon kommt mit Sicherheit durch die Ernährung», sagt der seit einigen Jahren in Andorra lebende Frodeno. Während im Schwimmen die Leistungen auf ähnlichem Niveau geblieben sind, sind gerade beim Radfahren und im Laufen deutliche Verbesserungen zu verzeichnen. Dort herrsche «eine höhere Leistungsstabilität».

Er erinnerte sich beispielhaft an einen Ironman in Frankfurt. Damals habe er für die erste Hälfte des abschließenden Marathonlaufs 1:16 Stunden benötigt, für die zweite dann 1:25 Stunden. «Der Einbruch war gigantisch, und diese Einbrüche finden nicht mehr statt.»

Kohlenhydrate, Kohlenhydrate, Kohlenhydrate

Die Athleten sind weg vom Training des Fettstoffwechsels hin zu einer verbesserten Aufnahme und Verarbeitung von Kohlenhydraten. Früher lagen die Werte bei 60 bis 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Mittlerweile können 150 Gramm und mehr in der Stunde verdaut und in Energie umgewandelt werden. Bei einer Rennzeit von 7:30 Stunden wären das mehr als ein Kilogramm.

Möglich macht das die Entwicklung von hochkonzentrierten Kohlenhydratprodukten wie Hydrogelen durch ein bestimmtes Glukose/Fructose-Verhältnis. Sie liefern dem Körper mehr Zucker (Kohlenhydrate) und damit mehr Energie, ohne den Magen-Darm-Trakt zu belasten.

«Es ist Wahnsinn, was da abgeht. Man merkt es überall, an allen Leistungen», sagt Frodeno. «Ich sehe es selbst jetzt beim Hobbysport, wenn ich so einen Ultramarathon laufe oder auf dem Rad unterwegs bin, das macht einfach einen Unterschied wie Tag und Nacht.»

Für diese Entwicklung steht unter anderem Blummenfelt. Der 32-Jährige ist derzeit das Maß beim Ausdauer-Dreikampf. Am Sonntag kommt es zum Gipfeltreffen zwischen dem Olympiasieger und dem französischen Vorjahressieger Sam Laidlow, dem dreimaligen Ironman-Weltmeister Patrick Lange und dem Vorjahreszweiten Jonas Schomburg. Kurzfristig meldete auch noch der dreimalige Roth-Sieger Magnus Ditlev.

«Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber mit ihm wächst ein ohnehin außergewöhnlich starkes Männerfeld noch einmal», sagte Renndirektor Felix Walchshöfer. «Unsere Fans dürfen sich auf eines der spannendsten Profirennen freuen, das wir in Roth je erlebt haben.»

2023 hatte Ditlev bei seinem zweiten Sieg die damalige Weltbestzeit von 7:24:40 Stunden aufgestellt – und Frodenos Rekord von 2016 um fast elf Minuten unterboten. Erster Gratulant im Ziel: Jan Frodeno. Ein Jahr später war Ditlev in 7:23:24 Stunden noch einmal schneller.

Quelle: dpa

 

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