Neu im Kino

Ein Meisterwerk ohne Preis: «No Other Choice»

05. Februar 2026 , 07:00 Uhr

Obwohl die Jury schwärmte, ging Regisseur Park Chan-wook in Venedig leer aus. Sein neuer Film begeistert als Arbeitswelt-Satire - und mit einem «Squid Game»-Star.

Beim Filmfestival in Venedig gab es im Herbst einige Verwunderung, als der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook für seinen neuen Film nichts gewann. Park, unter Filmfans ein regelrechter Star, zeigte dort «No Other Choice» und bekam einhellig positive Kritiken.

«Er ist einer der derzeit größten Regisseure»

Und so fragte ein Journalist nach der Siegerehrung die Jury, warum Park leer ausgegangen ist. Die Antwort von Jury-Präsident Alexander Payne hörte sich an wie eine Entschuldigung. «Wie alle hier, haben auch wir größten Respekt für Regisseur Park», sagte er. «Er ist einer der derzeit größten Regisseure. Wir hatten enorme Bewunderung und Respekt für seinen Film.» Aber: Die Jury habe viele Filme geliebt.

Filmbewertung bleibt am Ende eben eine subjektive Sache. Doch im Kino dürfte der Film jetzt weitere Fans hinzugewinnen. «No Other Choice» ist eine gelungene und eigenwillige Satire über die moderne Arbeitswelt. Visuell ist der Film – wie schon Parks Vorgänger-Werke («Oldboy») – meisterhaft inszeniert.

In der Hauptrolle überzeugt Lee Byung-hun, der wegen seines skulpturalen Gesichts in Venedig häufiger mal als südkoreanische Version von Mads Mikkelsen bezeichnet wurde. Serienfans kennen ihn aus dem Netflix-Hit «Squid Game».

Davon handelt der Film

Lee Byung-hun verkörpert Man-su, den Ingenieur einer Papierfabrik, der eines Tages entlassen wird. Verzweifelt versucht er, eine gleichwertige Anstellung zu finden, während seine Familie nach und nach alle Annehmlichkeiten verliert und letztlich sogar das mühsam finanzierte Haus aufgeben muss.

Nach langer erfolgloser Jobsuche greift er zu drastischen Mitteln und überschreitet dabei moralische Grenzen. Um für seine Familie zu sorgen, ist er zu allem bereit.

Wie oft im südkoreanischen Kino, zeichnet sich der Film durch eine Mischung aus Gesellschaftskritik, Humor und Gewalt aus. Kontrastiert wird die teils brutale Handlung durch visuelle Schönheit.

Warum die Bildsprache besonders ist

Park arbeitet mit ungewöhnlichen Blickwinkeln und Bildachsen. Mal blickt die Zuschauerin aus der Froschperspektive auf das Geschehen, mal von oben herab. Oft werden die Bilder spielerisch überblendet. Man kann sich kaum sattsehen an jeder Einstellung.

Auch der Soundtrack ist besonders. Eine Slapstick-hafte Szene, in der Man-su mit zwei anderen Leuten auf dem Boden um eine Waffe ringt, ist mit einem K-Pop-Hit aus den 80er Jahren von Cho Yong-pil unterlegt. Auf Youtube finden sich unter dem Song inzwischen zahlreiche Kommentare von Fans des Films.

Entlassen zu werden, heißt in Korea: «Kopf ab!»

Der Film überzeugt mit seiner Bildsprache und einem unterhaltsamen Plot, gibt aber auch interessante Einblicke in die südkoreanische Gesellschaft. Etwa in die Tatsache, wie wichtig dort vielen Menschen Status ist. In Korea, erklärt Man-su an einer Stelle, sagt man nicht, man sei «gefeuert» worden. Entlassen zu werden, heiße: «Kopf ab!»

«Jeder, der in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft seinen Lebensunterhalt verdienen muss, hegt diese tiefe Angst vor Arbeitsplatzunsicherheit», sagte Park in Venedig. In «No Other Choice» spart er nicht an Kapitalismuskritik.

Ein Regisseur mit besonderer Fangemeinde

Bei den Filmfestspielen äußerte auch der Cast seine Begeisterung über Regisseur Park. «Egal wer: Wenn Sie einen Schauspieler fragen würden, ob er mit Regisseur Park zusammenarbeiten möchte, würde er diese Gelegenheit ohne zu zögern ergreifen», sagte Lee Byung-hun. «Das gilt auch für mich: Unabhängig von der Geschichte hätte ich immer Ja gesagt.»

Sie habe immer darauf gewartet, dass Park sie endlich kontaktieren würde, um mit ihr zusammenzuarbeiten, sagte Schauspielerin Son Yejin. Auch ihr Kollege Park Hee-soon beschrieb sich als «großen Fan». Als er den Anruf von Park bekommen habe, habe er das Skript nicht einmal gelesen, bevor er zusagte. Er habe seinen Manager gedrängt, sofort zurückzurufen: «Nicht, dass er es sich anders überlegt.»

Quelle: dpa

 

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