Winterspiele in Italien

Aicher-Frust bei Brignones olympischem Ski-Märchen

12. Februar 2026 , 15:09 Uhr

Deutschlands neuer Ski-Star Emma Aicher und Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann erleben im Super-G eine Enttäuschung. Federica Brignone krönt ein famoses Comeback - und versetzt Italien in Ekstase.

Emma Aicher saß minutenlang allein hinter einer Absperrung, Federica Brignone ließ sich von den begeisterten Fans mit «Fede, Fede»-Rufen feiern. Statt schwarz-rot-goldenem gab’s in Cortina d’Ampezzo diesmal grün-weiß-roten Jubel. Das deutsche Duo hat nach zwei Medaillen in den ersten Olympia-Rennen beim Super-G in den Dolomiten eine Enttäuschung erlebt, Lokalmatadorin Brignone indes ein echtes Ski-Märchen.

Monatelang hing der Start der Italienerin bei ihren Heimspielen infolge einer schlimmen Verletzung am seidenen Faden. Nun trug sie eine Goldmedaille um ihren Hals. «Es ist verrückt», sagte Brignone strahlend vor Begeisterung. «Ich war heute ein Außenseiter. Aber ich weiß, was ich kann.» Das sei eben Olympia, meinte sie. In einem Rennen könne «alles passieren».

Deutsche nach Doppel-Flop selbstkritisch

Sie ärgere sich schon ein bisschen, sagte Aicher, die genau wie Kira Weidle-Winkelmann nach einem Fahrfehler ausgeschieden war. Mit Startnummer sieben dürfe ihr so etwas nicht passieren, meinte die 22-Jährige. Sie hätte wissen müssen, dass sie auf dem nassen, weichen Schnee die Ideallinie besser nicht verlassen sollte. Sie sei voll auf Risiko gefahren, sagte auch ihre sieben Jahre ältere Teamkollegin Weidle-Winkelmann. Der Mut wurde nicht belohnt.

Nach Silber in der Team-Kombination hatte das deutsche Duo im letzten alpinen Speed-Event dieser Winterspiele zu den Mitfavoritinnen gezählt. Vor allem Aicher, die zuvor ja auch schon in der Abfahrt auf Platz zwei gedüst war. Obwohl noch etliche weitere Topfahrerinnen wie die Italienerin Sofia Goggia, Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson aus den USA oder die tschechische Allrounderin Ester Ledecka ausschieden, führten die Deutschen ihren Doppel-Flop aber nicht etwa auf die Kurssetzung, sondern eigene Fehler zurück.

Aicher verpasste es vorerst, als erste Deutsche seit Katja Seizinger 1998 drei Olympia-Medaillen bei denselben Spielen zu gewinnen. Sie hat in Norditalien aber noch weitere Chancen. Auf jeden Fall im Slalom. Vielleicht auch im Riesenslalom. Ob sie in dem startet, ließ sie zunächst noch offen.

Brignone krönt Comeback nach Horror-Verletzung 

Ganz sicher dabei sein im Riesenslalom wird Brignone – und das mit reichlich Rückenwind. Die 35-Jährige ist nun die älteste Alpin-Olympiasiegerin der Historie. Sie verwies die Französin Romane Miradoli und Cornelia Hütter aus Österreich auf die weiteren Podestplätze. Und das nach dieser Vorgeschichte.

Im April vergangenen Jahres hatte sich die Mailänderin bei den vergleichsweise unbedeutenden italienischen Meisterschaften schwer am Knie verletzt. Sie erlitt bei ihrem Sturz in Val di Fassa eine mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie einen Kreuzbandriss – eine Horror-Diagnose.

237 Tage später stand Brignone, die in ihrer Karriere schon so viel gewonnen hat, erstmals wieder auf Freizeitskiern. «Es ist mein Traum, dort zu sein», hatte sie mehrfach über einen möglichen Olympia-Start gesagt. Doch die Zeit schien ihr davonzulaufen. Erst Mitte Januar kehrte sie in den Weltcup zurück – mit einem sechsten Platz im Riesentorlauf am Kronplatz. Was für ein Comeback.

Auch Staatspräsident Mattarella jubelt mit

Nun vergoldete sie es sogar noch. Brignone, dieses Energiebündel, stieß einen ihrer mittlerweile bekannten Freudenschreie aus, als sie über die Ziellinie schoss und die Bestzeit auf der Anzeigetafel erschien. Ihr Bruder vergoss Tränen der Freude, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella jubelte auf der Tribüne mit und gehörte später zu den ersten Gratulanten. Düsenflieger zogen mit Rauch die italienischen Landesfarben in den Himmel, ehe Brignone und große Teile des Publikums voller Leidenschaft die Nationalhymne sangen.

Eine Party in Grün, Weiß und Rot – und Brignone mittendrin. Mit 17 Jahren hatte sie einst im Weltcup debütiert. Seither gewann sie zweimal die Gesamtwertung, dazu unter anderem zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und nunmehr insgesamt vier Plaketten bei Winterspielen. Gold bei Olympia ist aber auch für die erfahrene Brignone ein neues Gefühl – und die Krönung ihrer Rückkehr.

Quelle: dpa

 

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