Eine Höhle? Ein unbekannter Innenraum? Erst nach einigen Momenten löst sich das Rätsel: Die Kamera blickt tief in den Resonanzkörper eines Streichinstruments, bevor sich der Blick auf einen Geigenbauer richtet, der das Instrument als legendäre Stradivari identifiziert. Damit ist der Ton gesetzt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In «Der Klang der Stradivari», der ab Donnerstag in den Kinos zu sehen ist, geht es um Musik, aber auch um die Kunst des Zusammenspiels im Leben.
Vier Spitzenmusiker, vier kostbare Stradivari-Instrumente und ein ehrgeiziges Konzertprojekt: Auf den ersten Blick scheint in dem Film von Grégory Magnes («Das Parfum des Lebens») alles für einen musikalischen Hochgenuss bereitet. Doch statt virtuoser Einigkeit dominieren zunächst Eitelkeiten, alte Verletzungen und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Musik klingen soll.
Astrid (Valérie Donzelli), Leiterin einer Stiftung ihres musikbegeisterten Vaters, will dessen letzten Wunsch erfüllen: Vier Stradivari-Instrumente sollen für die Aufführung eines kaum bekannten Werks des zurückgezogen lebenden Komponisten Charlie Beaumont (Frédéric Pierrot) vereint werden.
Doch die kostbaren Geigen und Celli allein garantieren noch keine Harmonie. Trotz ihrer Virtuosität finden Peter, dessen Vergangenheit die Proben überschattet, der überhebliche Geiger George, die Social-Media-affine Bratschistin Apolline und die oft unterschätzte Cellistin Lise als Quartett keinen gemeinsamen Ton.
Als das ehrgeizige Vorhaben zu scheitern droht, bittet Astrid den eigenwilligen Beaumont um Hilfe – obwohl dieser sein Jugendwerk längst hinter sich gelassen hat. Doch schließlich lässt er sich – nur widerwillig – darauf ein.
«Ein Streichquartett ist kein Fußballverein, in dem man einfach die teuersten Spieler kauft und hofft, daraus eine Mannschaft zu machen», bemerkt der einmal treffend.
Die Besetzung überzeugt, allen voran Frédéric Pierrot («In Therapie») als nachdenklicher Komponist, dessen trockener Humor dem Film Leichtigkeit verleiht. Dass die Musikerrollen mit echten Instrumentalisten besetzt sind, verleiht den Proben- und Konzertsequenzen besondere Glaubwürdigkeit.
Der Humor entsteht weniger aus großen Pointen als aus den menschlichen Eitelkeiten und den unterschiedlichen Vorstellungen davon, was wahre Kunst bedeutet. So wird «Der Klang der Stradivari» zu einem ebenso warmherzigen wie klugen Film über Musik, Eitelkeit und die Kunst des Miteinanders.
Quelle: dpa