Brandkatastrophe

Anwälte: Schleppende Ermittlungen nach Crans-Montana-Inferno

05. Juni 2026 , 11:05 Uhr

Warum mussten 41 Menschen sterben? Angehörige und Opferanwälte fordern endlich klare Antworten – und klagen jetzt sogar im Ausland.

Fünf Monate nach dem verheerenden Bar-Brand in der Neujahrsnacht im schweizerischen Crans-Montana mit 41 Toten gibt es noch immer keine formelle Anklage. Die Bar-Betreiber Jacques und Jessica Moretti mussten in Sitten im Kanton Wallis erstmals gemeinsam zum Verhör antreten. Sie gingen ohne Kommentar durch einen Seiteneingang in das Gebäude. Unterdessen kritisieren Anwälte von Opfern und Angehörigen die schleppenden Ermittlungen. 

Gegen die Morettis wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Das französische Ehepaar ist gegen Kaution auf freiem Fuß. 

Anwälte werfen der Staatsanwaltschaft vor, das Verfahren zu verschleppen. «Einige Eltern wollen nicht mehr warten», sagte Sébastien Fanti. Deshalb würden nun Klagen in anderen Ländern, etwa Frankreich, eingereicht, in der Hoffnung, dass dort schneller gearbeitet werde.

Anwälte fordern Eingestehen von Fehlern

Die Morettis hätten in Einzel-Befragungen oft verschiedene Versionen über den Abend und die Verantwortlichkeiten generell präsentiert, sagte Fanti. Teils seien sie Antworten schuldig geblieben, mit dem Hinweis, das wisse nur der jeweils andere, sagte Anwalt Didier Elsig. Insofern komme die gemeinsame Vorladung zwar spät, aber sie sei zu begrüßen. «Die Morettis müssen aufhören, sich ihrer Verantwortung zu entziehen», sagte Elsig. «Wir wollen, dass sie ihren Fehler eingestehen.» 

Unter anderem geht es darum, warum das Personal nie im Brandschutz geschult wurde und wieso eine Tür verschlossen war, die als Notausgang hätte dienen sollen. Zudem gibt es offene Fragen zu Umbaumaßnahmen, bei denen die Treppe aus dem Untergeschoss der Bar verengt wurde, und zu dem Schaumstoff zur Schalldämmung, der in der Neujahrsnacht durch funkensprühende Partyfontänen in Brand geriet. 

«Verstehen, wie die Morettis ticken»

Viele der überwiegend jungen Opfer starben im Gedränge auf der Treppe. Bei der Katastrophe wurden auch mehr als 100 Menschen verletzt. Dutzende erlitten schwerste Brandverletzungen und manche werden bis heute im Krankenhaus oder Rehabilitationszentren behandelt. 

Zur Anhörung in Sitten kam auch Laetitia Brodard-Sitre, deren Sohn Arthur (16) ums Leben kam. «Ich bin heute für ihn hier», sagte sie unter Tränen, «aber auch für seinen Bruder Benjamin, weil er mit den Folgen dieses Dramas leben muss. Wir brauchen Antworten. Ich muss verstehen, wie Jacques und Jessica Moretti ticken.»

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen ein Dutzend Gemeindemitarbeiter. Die Gemeinde hatte eingeräumt, dass in der Bar seit 2019 keine der jährlich erforderlichen Brandschutzkontrollen mehr durchgeführt worden waren.

Quelle: dpa

 

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