«Engel mit den Eisaugen»

Comedy-Show von Amanda Knox stößt auf Kritik

03. August 2026 , 11:19 Uhr

Darf man über einen Mordprozess lachen? Amanda Knox versucht sich als Stand-up-Comedian und greift dabei den Gerichtsprozess gegen sie auf. Das sorgt nicht überall für Begeisterung.

Amanda Knox will ihre Erfahrungen rund um den aufsehenerregenden Mordfall Meredith Kercher in einer Comedy-Show verarbeiten – und sorgt damit bei der Familie des Opfers für Entsetzen. Die 39-Jährige tritt im August beim Edinburgh Fringe Festival in Schottland mit dem Programm «Amanda Knox: Cartwheel» (auf Deutsch: Radschlag) auf und spricht dabei unter anderem über ihre Inhaftierung wegen des Mordes an der Britin. 

Der Mord an der 21-jährigen Meredith Kercher in der italienischen Stadt Perugia hatte 2007 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Schnell gerieten Knox – oft auch «Engel mit den Eisaugen» genannt – und ihr damaliger Freund unter Verdacht. Knox wurde in einem spektakulären Prozess zunächst zu einer langen Haftstrafe verurteilt und musste vier Jahre im Gefängnis in Italien verbringen. 2015 wurden beide aber letztlich vom Vorwurf des Mordes komplett freigesprochen. Wer Kercher damals ermordete, ist bis heute nicht geklärt.

Anwalt: Knox schlägt Kapital aus Kerchers Schicksal

Bei Kerchers Familie sorgte Knox mit ihrer Show für Aufruhr. Der italienische Anwalt der Familie, Francesco Maresca, bezeichnete das Vorhaben als «jüngste unangemessene Initiative» der 39-Jährigen. «Ich bin fassungslos, ebenso wie die Angehörigen dieses armen Mädchens», sagte Maresca der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera». Knox schlage seit Jahren «Kapital aus dieser schmerzhaften Geschichte».

Dem britischen «Telegraph» sagte die 39-Jährige am Wochenende, dass es aus ihrer Sicht bei Comedy keine Themen gebe, die grundsätzlich Tabu seien. Sie wolle sich aber nicht über Kerchers Tod lustig machen, stellte sie klar. «Ich mache keine Witze über Merediths Tod. Ich mache viele Witze darüber, wie ich diffamiert wurde, aber ich mache keine Witze über ihren Mord», sagte Knox laut «Telegraph». Kercher hätte die Show zudem witzig gefunden, ist sie sich sicher.

Und wenn Kerchers Familie nun Kontakt zu ihr aufnehme? «Wenn sie auf mich zukommen und zum ersten Mal überhaupt mit mir kommunizieren würden, würde ich auf jeden Fall mit ihnen sprechen wollen», sagte Knox. Dass sie nie mit den Angehörigen habe sprechen können, schmerze sie nach wie vor.

Knox hat ihre Erlebnisse rund um den Tod von Kercher bereits in einem Buch («Zeit, gehört zu werden») verarbeitet. In der Netflix-Dokumentation «Amanda Knox» kam sie ebenfalls ausführlich zu Wort, im August letzten Jahres erschien außerdem eine Mini-Dramaserie. Knox ist der Nachrichtenagentur PA zufolge inzwischen verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Quelle: dpa

 

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