Themen im Karneval

Cantz: Publikum im Karneval eher genervt von Merz-Witzen

30. Januar 2026 , 06:56 Uhr

Guido Cantz ist einer der gefragtesten Redner im Kölner Karneval. Dieses Jahr stellt er fest: Von Witzen über die Bundespolitik fühlen sich die Leute eher genervt. Und dann ist da noch das Thema AfD.

Das Publikum bei Karnevalssitzungen will dieses Jahr nach den Erfahrungen von Guido Cantz eher Ablenkung vom Alltag und weniger Witze über die Bundespolitik. «Man hat auf jeden Fall ganz viel Lust zu feiern, aber in erster Linie als Flucht aus dem täglichen Wahnsinn», sagte Cantz, einer der gefragtesten Redner im Kölner Karneval, der Deutschen Presse-Agentur.

«Letztes Jahr, als der Karneval mit dem Bundestagswahlkampf zusammenfiel, war das noch ganz anders, da hatte ich ganz viel Politik im Programm. Aber jetzt spüre ich, dass die Leute genervt sind und eher so die Haltung haben: „Ach, jetzt fang nicht wieder mit dem Merz an…“»

Dahinter stehe wohl auch Enttäuschung darüber, dass es nach dem Ende der Ampelregierung kaum besser geworden sei – es mache sich Resignation breit. Eine andere Erfahrung, die ihn durchaus beunruhige, sei: «Vor zwei Jahren kam es noch vor, dass Leute im Publikum applaudierten, wenn man sich auf der Bühne kritisch über die AfD äußerte. Das ist heute nicht mehr so. Vielleicht weil inzwischen viele mit der AfD sympathisieren oder weil man denkt: „Arbeite dich doch erstmal an der jetzigen Regierungskoalition ab.“ Ich weiß es nicht. Aber ich stelle es fest.» 

Witze über Gelsenkirchener Sparkassen-Einbruch kommen gut an

Gut laufen demnach Themen, die nicht direkt mit Politik zu tun haben, etwa der Gelsenkirchener Sparkassen-Einbruch oder Künstliche Intelligenz. In Köln kämen auch Witze gut an, die sich über die Kölner Olympia-Bewerbung lustig machten: «Nach dem Motto, wir reden seit 20 Jahren über einen Wasserbus über den Rhein, und nun trauen wir uns plötzlich Olympische Sommerspiele zu.» 

In diesem Jahr moderiert Cantz (54) auch die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in Aachen. Dort sei die Besonderheit, dass die Politiker, über die man sich lustig mache, selbst im Publikum säßen, sagte er. «Das macht für mich die Faszination aus. Man kann viel über Lars Klingbeil reden, aber wenn er da selber sitzt, ist das was anderes. Einerseits ist die Hemmschwelle vielleicht höher, andererseits verspürt man aber auch mehr Lust, da mal ein, zwei Spitzen loszulassen, die vielleicht auch vom Publikum goutiert werden.»

Der Orden wider den tierischen Ernst wird am Samstag in Aachen an Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) verliehen. Laudator ist der Preisträger des vergangenen Jahrs, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Eine Aufzeichnung der Veranstaltung läuft am 2. Februar im Ersten.

Quelle: dpa

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