Im Zuge der Aufklärung der sogenannten Boni-Affäre im Bamberger Rathaus hat sich heute der Kreisvorsitzende der CSU Bamberg-Stadt, Gerhard Seitz, zu Wort gemeldet und dabei scharfe Kritik an Zweitem Bürgermeister Jonas Glüsenkamp geübt. In einer Mitteilung nimmt Seitz Bezug zu dem Urteil des Verwaltungsgerichts in Bayreuth Anfang der Woche. Der Skandal um die Bezahlung von Überstunden sei nicht aufgeräumt, stattdessen stecke die Stadt tiefer drin als nötig. Statt Geld zurückzuholen, stehe die Stadt nun vor einem peinlichen und teuren Dilemma. Ins Visier nimmt Seitz dabei vor allem Bambergs Zweiten Bürgermeister Jonas Glüsenkamp und wirft ihm schwere Fehler vor. Er sei als „Saubermann“ angetreten, um den Skandal konsequent zu bereinigen und Vertrauen zurückzugewinnen. Umso schlimmer sei es, dass ausgerechnet unter seiner Verantwortung eine freihändige Vergabe erfolgt sei, die die Stadt rund 180.000 Euro gekostet und die Situation weiter verkompliziert habe. Auf Nachfrage sagte Seitz, er meine damit ein beauftragtes Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei, das vor Gericht verwendet wurde. Das Gericht hatte entschieden, dass die Stadt Bamberg ausgezahlte Gelder für Überstunden weiter zurückfordern müsse. Der Imageschaden für die Stadt, Oberbürgermeister Andreas Starke und den Zweiten Bürgermeister Glüsenkamp sei unglaublich, so Seitz. Glüsenkamp selbst reagiert sofort auf die Vorwürfe. In einer Mitteilung an Radio Bamberg heißt es, Seitz habe in seinem Statement Behauptungen wider besseres Wissen aufgestellt, in dem er ihm falsche Vorwürfe mache. Er wolle dazu richtigstellen, dass die rechtwidrig erfolgten Zahlungen im Rathaus in einer Zeit erfolgt seien, in der er selbst noch studierte oder in der Privatwirtschaft tätig war. 2021 habe ihn der Stadtrat einstimmig mit der Aufarbeitung beauftragt, so Glüsenkamp. Die Regierung von Oberfranken als Rechtsaufsicht habe mitgeteilt, in alle weiteren Schritte eng einbezogen zu werden. So sei in Abstimmung eine rechtskonforme Vergabe für ein Gutachten erfolgt, um die Fälle zu betrachten. Dies habe ausdrücklich auch die Zustimmung bei Juristen in der CSU-Fraktion gefunden. Das Gutachten habe schließlich zu Rückforderungsbescheiden geführt, die alle einzeln und einstimmig im Personalsenat, einige auch im Stadtrat, beschlossen wurden, so Glüsenkamp weiter. Die Rückforderungen waren rechtlich geboten, da die Stadt verpflichtet sei, ihr zustehende Mittel geltend zu machen. Das entspreche auch der Haltung der Rechtsaufsicht. Zudem seien in der Stadtverwaltung und insbesondere im Personalreferat unter seiner Führung Prozess etabliert worden, die eine Wiederholung der Vorgänge vor 2020 unmöglich machten, so Glüsenkamp. Außerdem habe der Prozess der Aufarbeitung mehr als 200.000 Euro an die Stadt zurückfließen lassen. In den aktuell noch laufenden Verfahren stehen noch etwa 170.000 Euro in Rede, so Glüsenkamp.
Auf Radio Bamberg Nachfrage heißt es von Peter Neller, dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Bamberger Stadtrat: das Vorgehen des Kreisvorsitzenden Seitz sei nicht mit der Fraktion abgesprochen worden und decke sich auch nicht mit seiner persönlichen Meinung.