Biathlon-Weltcup

Fehlerfreie Preuß ohne Podest - Grotian blickt gen Olympia

16. Januar 2026 , 17:05 Uhr

Franziska Preuß zeigt sich beim Weltcup in ihrer Wahlheimat stark verbessert. Sie trifft alle Scheibe, aber dennoch reicht es nicht. Selina Grotian knackt derweil die halbe Olympia-Norm.

Auch ein vermeintlich perfektes Sprintrennen hat Franziska Preuß beim Weltcup-Heimspiel in Ruhpolding nicht zum ersten Podestplatz der Biathlon-Saison gereicht. Gut drei Wochen vor dem Start der Olympischen Winterspiele belegte die 31-Jährige in ihrem Wohnort als beste Deutsche den fünften Platz. «Das Niveau ist wahnsinnig hoch, wie schnell und gut geschossen wird. Man muss neidlos anerkennen, dass die anderen einen Tick besser werden», sagte die Verfolgungsweltmeisterin. 

Die Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres hatte nach 7,5 Kilometern 16,5 Sekunden Rückstand auf die überragende Siegerin Hanna Öberg aus Schweden, die ebenfalls ohne Strafrunde blieb. Platz zwei belegte die Französin Lou Jeanmonnot vor der Italienerin Lisa Vittozzi. Für Preuß ist es der dritte fünfte Rang in einem Einzel-Wettbewerb in diesem Winter. 

Erst Zweifel, dann Selbstvertrauen geholt

In der Staffel in Ruhpolding hatte Preuß zuvor als Schlussläuferin mit einer Strafrunde den möglichen Podestplatz noch aus der Hand gegeben (6.). Das Stehendschießen im direkten Duell Frau gegen Frau setzt sie derzeit zu sehr unter Druck, auch bei der Staffel in der Vorwoche in Oberhof hatte Preuß ungewohnte Schwächen gezeigt.

Im Sprint schien sie die Situation nicht mehr stark zu belasten. Unter dem Jubel tausender Zuschauer auf der Haupttribüne traf sie erst liegend alle fünf Scheiben, auch im stehenden Anschlag blieb sie fehlerfrei.

«Ich bin sehr zufrieden mit meinem Schießen, dass ich bei mir geblieben bin. Das ist ein schönes Gefühl», sagte Preuß. Sie gab zu, dass nach der Staffel große Zweifel bei ihr aufkamen. Gespräche mit den Trainern und dem Sportdirektor Felix Bitterling bauten sie wieder auf. Im Verfolger am Sonntag (12.30 Uhr/ZDF und Eurosport) will sie den «Flow mitnehmen, es wird ein total spannendes Rennen».

Grotian darf weiter auf Olympia-Teilnahme hoffen

Von großer Bedeutung war das Rennen vor allem für Selina Grotian (1 Fehler). Als zweitbeste Deutsche (1 Fehler) sicherte sie sich mit Rang 15 bei ihrer vorletzten Chance die halbe Olympia-Norm. «Der Druck ist jetzt etwas weniger und ich bin froh, wieder auf dem Weg zu meinem alten Ich zu sein», sagte Grotian. Nach einer Corona-Infektion musste sie im Dezember die Rennen in Hochfilzen und Le Grand-Bornand auslassen, der Sprint jetzt war ihr erst fünftes Einzelrennen des Winters. 

Die 21-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen will nun im Jagdrennen alle Zweifel ausräumen und sportlich die Norm schaffen. Dazu muss sie ein zweites Mal unter die Top 15 laufen: «Das ist ein mentales Spiel. Es heißt voller Angriff.»

Hettich-Walz und Voigt enttäuschen in Ruhpolding

Die Antholz-Norm erfüllt haben bislang neben Preuß auch Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz, Vanessa Voigt und die in Ruhpolding pausierende Anna Weidel. Tannheimer (1 Fehler) zeigte als Sprint-16. im Chiemgau noch ein ordentliches Rennen, die lange verletzte Sophia Schneider (2) musste sich bei ihrem Weltcup-Saisondebüt mit Rang 30 begnügen. Hettich-Walz (2) und Voigt (2) präsentierten sich auf den Plätzen 44 und 45 schwach. 

Am Sonntagabend muss Sportdirektor Bitterling seine Vorschlagsliste für die sechs Damen-Startplätze an den Deutschen Skiverband weiterleiten. Bitterling bestätigte, dass er Grotian – die in der Vorsaison in Antholz Sprint-Dritte wurde – auch ohne volle Norm mit zu Olympia nehmen will. Bereits zuvor hatte er das immer wieder durchklingen lassen. 

Aber auch Schneider könnte im Verfolger noch unter die Top acht laufen und damit die direkte Norm schaffen. Und dann wäre sie in Antholz dabei, während Grotian ihren Olympia-Traum begraben müsste. «Es liegt dann nicht an uns zu sagen, wir wollen diese oder jene Athletin mitnehmen. Wer die Quali geschafft hat, solange es freie Quotenplätze gibt, ist bei Olympia dabei. Das sind geschriebene Regeln, die können wir gut finden oder nicht», erklärte Bitterling.

Quelle: dpa

 

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