Bamberger Wirtschaft wächst - Industrie schwächelt

04. Mai 2026 , 17:04 Uhr

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Raum Bamberg ist seit 2019, dem Jahr vor Corona, um 3.157 auf 97.770 angestiegen, so die IHK für Oberfranken Bayreuth in einer aktuellen regionalen Analyse. Die Stadt Bamberg verzeichnete ein Plus von 3.269 auf 57.747, der Landkreis Bamberg hingegen einen leichten Rückgang um 112 auf 40.023 Beschäftigte,

Die IHK für Oberfranken Bayreuth wirft einen genaueren Blick auf die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für die einzelnen Branchen. Eine Analyse der einzelnen Wirtschaftsabschnitte zeigt, dass in der Stadt Bamberg die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit einem Beschäftigtenplus von 923, der Bereich Information und Kommunikation mit einem Plus von 646 und der Bereich Verkehr und Lagerei mit 607 die höchsten Zuwächse verzeichnen. Von einem Beschäftigtenabbau besonders betroffen war in der Stadt Bamberg vor allem das Verarbeitende Gewerbe (-1.465). In nur sechs Jahren ging jeder zehnte Industriearbeitsplatz verloren.

Auch im Landkreis Bamberg zeigt sich das Verarbeitende Gewerbe mit einem Beschäftigtenrückgang um 2.154 auf 11.278 sichtlich angeschlagen. Gegenüber 2019 gingen hier 16 Prozent der Arbeitsplätze verloren. Aber auch das Gastgewerbe verzeichnet ein deutliches Minus von 239 oder 19,5 Prozent auf 989. Das größte Plus gab es im Landkreis beim Handel inklusive Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+813) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (+561).

„Auch wenn die Beschäftigtenentwicklung in der Summe in der Stadt und im Landkreis Bamberg noch positiv ist: Der Beschäftigtenverlust in der Industrie ist beängstigend“, macht Herbert Grimmer deutlich, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bamberg. „Vor allem im Landkreis ist das keine Konjunkturflaute mehr, sondern ein substanzieller Abbau. Es ist fraglich, ob es gelingen wird, den dort erfolgten Beschäftigtenverlust in absehbarer Zeit wieder aufzufangen oder ob wir uns mitten in einem Prozess der Deindustrialisierung befinden.“

Trotz positiver Entwicklung: Durch Verlust der Industriearbeitsplätze droht Gefahr

„Oberfranken und dort vor allem Stadt und Landkreis Bamberg haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Beschäftigtenwachstum hingelegt, um das uns viele andere Regionen in Deutschland beneiden“, macht Grimmer deutlich. Von historischen Erfolgen könne die Region aber nicht leben.

„Lange Jahre wurde der Erfolg der deutschen Industrie als selbstverständlich angenommen“, so Grimmer. „Die internationalen Rahmenbedingungen sind so schwierig wie selten zuvor. Mit diesen Bedingungen müssen andere Länder genauso klarkommen. In Deutschland sind wir uns aber außerdem oft selbst im Weg. Viele unserer Probleme sind hausgemacht.“ Das Spektrum reiche von der überbordenden Bürokratie über fehlende Deregulierungen, lange Genehmigungsverfahren und die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten, die hohe Abgaben- und Steuerlast bis hin zur oft antiquierten Infrastruktur.

Auch gegenüber 2024 verzeichnen Stadt (+568) und Landkreis (+239) einen leichten Beschäftigtenzuwachs. In Gesamtoberfranken verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe einen sehr deutlichen Beschäftigtenabbau mit einem Minus von 15.252 Beschäftigten seit 2019 (-11,1 Prozent). Zudem ist bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen eine nennenswerte Abnahme zu verzeichnen (-1.406 Beschäftigte). Dies lässt sich durch deren enge Verknüpfung mit dem Verarbeitenden Gewerbe erklären. Es gibt allerdings auch Wirtschaftsabschnitte, welche sich im Wachstum befinden, etwa die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung (+5.741 seit 2019), das Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), Verkehr und Lagerei (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134).

Während in der Summe seit 2019 oberfrankenweit 4.224 neue Arbeitsplätze entstanden sind, ist die Entwicklung zuletzt spürbar gekippt. Gegenüber 2024 verzeichnet Oberfranken einen Rückgang von 1.858 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, verursacht vor allem durch den Abbau im Verarbeitenden Gewerbe (-3.764), aber auch im Handel und den wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Neue Arbeitsplätze sind im vergangenen Jahr vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden (+1.524).

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