Resozialisierung

Aus der Zelle an den Strand: Häftlinge als Strandwärter

04. August 2026 , 13:00 Uhr

In Italien fehlt es an Bademeistern und Rettungsschwimmern für die vielen Strände am Mittelmeer. Deshalb gibt es im Süden des Landes nun ein ungewöhnliches Projekt.

In Italien fehlt es an Aufpassern für die mehr als 5.000 Strände – jetzt sorgen in einem einzigartigen Projekt Häftlinge dafür, dass beim Baden im Mittelmeer niemand zu Schaden kommt. In der süditalienischen Region Apulien sind in diesem Sommer erstmals ein Dutzend Gefängnisinsassen im Einsatz, die in Schnellkursen zu Strandwärtern ausgebildet wurden. Morgens geht es aus einer Haftanstalt der Stadt Lecce mit dem Bus zu den verschiedenen Stränden. Nach getaner Arbeit müssen die Männer dann zurück in ihre Zellen.

Das Projekt unter dem Titel «Io salvo» («Ich rette») ist als Resozialisierungsmaßnahme gedacht, wie die Tageszeitung «La Stampa» berichtet. Hintergrund ist aber auch, dass es an Italiens Stränden seit Jahren schon nicht mehr genügend Bademeister und Rettungsschwimmer gibt. Offiziell arbeiten dort etwa 11.000 bis 15.000 sogenannte Bagnini. Gebraucht würden schätzungsweise 3.000 bis 4.000 mehr. Der Job im roten Tanktop gilt als nicht mehr so attraktiv wie früher. Zudem wird oft unter Tarif bezahlt.

Unterricht in Erster Hilfe

Die Strandwärter aus dem Gefängnis Borgo San Nicola in Lecce mussten nach einem Bericht der Tageszeitung «La Stampa» vorab ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dann mussten sie in einem Drei-Monats-Kurs in der Haftanstalt Badeordnungen, Sicherheitsvorschriften und auch Erste Hilfe wie den Umgang mit einem Defibrillator lernen. In den ersten Wochen ging alles glatt: Keiner der Häftlinge versuchte, die Arbeit draußen am Strand zur Flucht zu nutzen. Der Tageslohn beträgt der Zeitung zufolge 50 Euro. 

Die «Stampa» zitierte einen der neuen Strandwärter – den 44 Jahre alten Antonio V., der mit 23 zum ersten Mal ins Gefängnis kam – mit den Worten: «Nach so vielen Jahren hinter Gittern fühlst Du Dich zum ersten Mal nützlich» Der Vorsitzende des Strandbäderverbandes Confirmprese Demaniali, Mauro della Valle, sagte dem Blatt: «Die Männer setzen ihr Leben für die Sicherheit der Badegäste aufs Spiel. Das ist eine sehr starke Wiedergutmachung.» Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Verband, Gefängnisleitung und Behörden.

In der Überlegung ist nun, die Idee auf andere Haftanstalten in Italien zu übertragen. In Apulien sind heute schon zwei Häftlinge als Bademeister in einer Ferienanlage am Swimmingpool im Einsatz. Grundsätzlich müssen an Italiens Stränden aus Sicherheitsgründen alle 150 Meter ein Bademeister oder Rettungsschwimmer zu finden sein. Das Mindestalter dafür ist 18 Jahre. Zudem sind mindestens 30 Stunden Ausbildung erforderlich.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

03.08.2026 Meer für alle - Haben Italiens Strandbäder noch Zukunft? Am Mittelmeer werden für Schirme und Liegen teils horrende Preise verlangt. An einigen Stränden gehen die Behörden neuerdings dagegen vor, auch wegen der EU. Aber die alten Kräfte wehren sich. 15.07.2026 Wenn Pferde auch bei Hitze Pflaster treten müssen Bilder eines zusammengebrochenen Pferdes in Rom haben eine neue Debatte über traditionelle Pferdekutschen angeheizt. Ist die Attraktion angesichts von Hitzewellen und Autoverkehr noch zeitgemäß? 07.07.2026 Pferd bricht in Rom zusammen - Debatte über Kutschfahrten Bilder eines zusammengebrochenen Pferdes im Zentrum von Rom verbreiten sich in den sozialen Medien rasant. Die Debatte über die traditionellen Pferdekutschen ist wieder entfacht. 27.07.2026 MeToo-Fall im Iran: 99 Peitschenhiebe für Filmstar Im Herbst 2025 hatte im Iran eine junge Frau einen iranischen Filmstar der Vergewaltigung beschuldigt. Der Fall hatte eine landesweite Debatte ausgelöst. Nun gibt es laut der Verteidigung ein Urteil.