Streit

Aschaffenburg hisst Flaggen zum CSD - aber nicht am Rathaus

03. Juni 2026 , 21:04 Uhr

Warum der neue OB Schlemmer auf einen Kompromiss setzt – und wie er damit vom Vorgehen seines SPD-Amtsvorgängers abweicht.

Die Stadt Aschaffenburg wird zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag keine Regenbogenflagge am Rathaus hissen – aber an zwei anderen Orten: am Scharfeck und am Landingtunnel. Darauf hätten sich Oberbürgermeister Markus Schlemmer (CSU) und die Stadtratsparteien im Ältestenrat geeinigt, teilte die Stadt mit. Das Scharfeck ist ein Knotenpunkt in der Innenstadt, es grenzt unmittelbar an die Fußgängerzone. Der Landingtunnel leitet den Verkehr unter dem Schlossplatz durch. 

Mit dem Kompromiss reagiere der Oberbürgermeister auf die Kritik an seiner Entscheidung, an öffentlichen Gebäuden der Stadt keine Flaggen zum Pride Month und zum CSD zu hissen, hieß es. «Mir ist bewusst, welche Symbolkraft die Regenbogenflagge für die queere Community hat», sagte Schlemmer. «Ich bin dennoch nach wie vor der Ansicht, dass Fahnen nicht das beste Mittel sind, um Akzeptanz zu fördern.» Mit der jetzigen Lösung wolle er der Community entgegenkommen.

SPD-Bürgermeister zeigte Solidarität 

Ende Mai hatte der Bürgermeister gesagt: «Öffentliche Gebäude und zentrale Fahnenmasten stehen aus meiner Sicht in besonderer Weise für die Gesamtstadt und für alle Bürgerinnen und Bürger. Deshalb möchte ich die offizielle Beflaggungspraxis auf staatliche, städtische und besondere hoheitliche Anlässe konzentrieren.»

Schlemmer war im März zum neuen OB der Stadt gewählt worden. Im Vorjahr hatte der damalige Rathauschef Jürgen Herzing (SPD) noch bewusst die Regenbogenfahne hissen lassen – unter anderem aus Solidarität mit der ungarischen Hauptstadt Budapest, wie es damals hieß.

Der CSD erinnert an die Aufstände der queeren Community in der Christopher Street in New York City (USA) von 1969 und steht für die Sichtbarmachung und Gleichstellung queerer Menschen.

Quelle: dpa

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