Psychische Gesundheit

Angststörungen seit Corona: Teenie-Mädchen leiden besonders

15. Februar 2026 , 05:00 Uhr

Kinder und Jugendliche werden seit der Pandemie verstärkt wegen psychischer Probleme behandelt. Welche Gruppe von Angststörungen und Depressionen besonders betroffen ist - und was helfen würde.

Die Zunahme der psychischen Störungen seit der Corona-Pandemie hat sich bei jugendlichen Mädchen auf einem besonders hohen Niveau verfestigt. In Bayern leiden Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren wesentlich häufiger als andere Minderjährige unter Angststörungen wie sozialen Phobien oder Panikattacken. Auch Depressionen und Essstörungen kommen in dieser Gruppe häufiger vor. Dies geht aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK Bayern hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. 

«Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis», bestätigte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen, Michael Hubmann. «Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Ängste spielen dabei eine große Rolle.» Der Grund aus Hubmanns Sicht: «Die Krisen reißen nicht ab – Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck, Zukunftsängste. Das alles bleibt im Alltag junger Menschen präsent.» 

Teenie-Mädchen besonders stark betroffen

Die Verunsicherung wirkt sich offenkundig besonders stark auf die jugendlichen Mädchen aus. Dem Report zufolge wurden im Jahr 2024 rund 64 von 1.000 bei der DAK versicherte weibliche Jugendliche wegen einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt. Da die Daten als repräsentativ gelten, waren hochgerechnet im Freistaat insgesamt rund 11.000 Mädchen in dem Alter betroffen. Im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 ist das ein Anstieg um 45 Prozent. 

Besonders stark zugenommen haben spezifische Angststörungen wie soziale Phobien, die sich mit plus 194 Prozent seit 2019 nahezu verdreifacht haben. Dabei leiden Betroffene unter Angst vor sozialen Situationen – etwa einem Treffen mit Gleichaltrigen – und einer negativen Bewertung durch andere. Auch Panikstörungen legten mit plus 86 Prozent seit der Pandemie stark zu. Rund 13.000 Teenie-Mädchen waren 2024 zudem wegen einer Depression in Behandlung, 3.300 wegen einer Essstörung. Die Zahl derjenigen, die zeitgleich zwei psychische Erkrankungen hatten, hat sich dabei mehr als verdoppelt.

Soziale Phobien führen oft zu Abwesenheit vom Schulunterricht

Ebenfalls mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der chronischen, also dauerhaften Angststörungen: Bei den heranwachsenden jungen Frauen stieg die Quote zwischen 2019 und 2024 von 8,6 auf 18,4 je 1.000 Mädchen. Dies sei besonders alarmierend, betonte der Chefarzt der Kirinus-Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in München, Christoph Wewetzer. Beispielsweise führten soziale Phobien häufig zu sozialem Rückzug sowie zu chronischer Abwesenheit vom Schulunterricht. 

«Aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht sind eine frühzeitige Diagnostik und die rasche Einleitung geeigneter Behandlungsmaßnahmen entscheidend, um langfristige Krankheitsverläufe zu verhindern», erläuterte Wewetzer. «Dafür braucht es eine deutlich bessere Verzahnung ambulanter, teilstationärer und stationärer Angebote sowie eine gezielte Unterstützung von Familien mit geringen psychosozialen Ressourcen.»

Hubmann ergänzte als Präsident des Berufsverbands der Kinderärztinnen und -ärzte: «Aus meiner Sicht brauchen wir einen Ausbau von Präventions- und Unterstützungsangeboten, und zwar dort, wo Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen: in Schulen, Kitas und Jugendzentren.»

2,3 Prozent aller Jugendlichen in Bayern mit einer Angststörung

Denn klar ist: Nicht nur die Teenagerinnen haben Probleme mit der mentalen Gesundheit. Auf Basis der DAK-Daten lässt sich hochrechnen, dass im Jahr 2024 im Freistaat 2,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren wegen einer Angststörung behandelt wurden – in Summe sind das rund 32.000 Minderjährige. Das Niveau liegt dabei – mit Ausnahme der noch stärker betroffenen jugendlichen Mädchen – seit 2021 bei Schulkindern und Jugendlichen auf einem konstant hohen Niveau. 

Für die Sonderanalyse werteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von rund 108.100 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen aus Bayern im Alter bis 17 Jahre aus. Untersucht wurden die Jahre 2019 bis 2024 mit insgesamt etwa 5,7 Millionen Arzt- und Therapiebesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneiverordnungen.

Quelle: dpa

 

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