Fusionsenergie

Münchner Start-up sammelt 411 Millionen für Fusionsreaktor

07. Juli 2026 , 09:20 Uhr

Eine Finanzierungsrunde sichert Proxima Fusion die nächsten Schritte - auch weil Bayern die Summe fast verdoppelt. Das Unternehmen steigt damit in den exklusiven Kreis der Einhörner auf.

Das Start-up Proxima Fusion hat Hunderte Millionen Euro für den Bau eines Fusionsreaktors eingesammelt. In einer aktuellen Finanzierungsrunde, an der sich auch RWE und Google beteiligten, kamen 411 Millionen Euro zusammen, wie das Unternehmen mitteilte. Damit erfüllt Proxima Fusion die Bedingungen dafür, dass der Freistaat Bayern weitere 400 Millionen Euro zur Verfügung stellt, wie im Februar vereinbart wurde, und wird zum Unicorn (Einhorn) – einem Start-up mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro. 

Das Unternehmen will bis zum Ende der 2030er Jahre im schwäbischen Gundremmingen einen kommerziellen Fusionsreaktor bauen, der tatsächlich Strom ins Netz leitet. Dazu soll bis Anfang der 2030er Jahre in Garching bei München der Demonstrationsreaktor «Alpha» entstehen. Alleine er wird mit zwei Milliarden Euro veranschlagt. Um diese aufzubringen, setzt das Unternehmen unter anderem auch auf Geld vom Bund: Man hoffe, dass die Ausschreibung für eine entsprechende Förderung im Herbst komme, sagte eine Sprecherin. 

Schon jetzt werden Teile für Alpha gefertigt. Der erste Magnet soll Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden. Die jetzt eingeholten Mittel fließen ebenfalls in den Bau, die Erweiterung von Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten sowie die Weiterentwicklung zentraler Technologien. 

Komplex aufgebaute Magnetspulen 

Nachdem die Fusionsforschung lange eine Domäne von Staaten und Staatengemeinschaften war, versucht inzwischen eine größere Zahl von Start-ups, mit verschiedenen Ansätzen Fusionsreaktoren zu bauen. Neben dem klassischen Konzept, heißes Plasma mit Magnetfeldern einzuschließen, gibt es unter anderem auch den Ansatz, Laser zur Zündung einzusetzen. 

Proxima Fusion setzt auf Magnetfelder – allerdings in einer speziellen Form: Der Reaktor soll ein sogenannter Stellarator werden. Anders als beim verbreiteteren Tokamak, dessen Form einem Donut ähnelt, sorgen dabei komplex aufgebaute Magnetspulen dafür, dass sich das eingeschlossene Plasma verzwirbelt. Das erleichtert einen Dauerbetrieb des Reaktors, ist allerdings schwieriger zu konstruieren und zu bauen. 

Das Start-up setzt dabei darauf, dass neue Fertigungstechniken und Materialien den Aufbau möglich machen. Gerade in Deutschland gebe es dafür hohe Kompetenz und mit dem Wendelstein-Programm des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik auch bereits Erfahrung, heißt es. Aus ebendiesem Institut ist Proxima Fusion als Spin-out entstanden. 

Jetzt ein Einhorn 

Mit der aktuellen Finanzierungsrunde wird Proxima Fusion nach eigenen Angaben nun mit mehr als 2,4 Milliarden Euro bewertet. Das sichert dem Unternehmen einen Platz unter den Unicorns (Einhörnern) – so nennt man Start-ups, die eine Bewertung von mehr als einer Milliarde erreichen. 

«Diese Finanzierung zeigt, dass Deutschland und Europa in der Lage sind, internationales Kapital für strategische Zukunftstechnologien zu mobilisieren», sagt Francesco Sciortino, Mitgründer und Chef von Proxima Fusion. «Die internationale Investorengemeinschaft hat ein starkes Signal gesendet: Sie vertraut nicht nur auf die wissenschaftliche Exzellenz Europas, sondern auch auf unsere Fähigkeit, daraus weltweit wettbewerbsfähige Industrieunternehmen aufzubauen.» 

Die Fusionstechnologie habe das Potenzial «eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen wie einst die Automobilindustrie», wirbt er. In Deutschland könne sie zu einer neuen Schlüsselindustrie werden. 

Internationale Konkurrenz 

Angesichts der Konkurrenz – in den USA und China sind bereits Milliarden in Fusions-Start-ups geflossen – ist allerdings alles andere als sicher, dass sich Proxima Fusion durchsetzen wird. Zudem jagen Wissenschaftler der Fusion bereits seit vielen Jahrzehnten hinterher und manchen gilt sie inzwischen als Sackgasse, anderen weiter als große Hoffnung. Bei der Stellarator-Technologie sieht sich das Münchner Unternehmen selbst momentan in der Spitzenposition. 

Fusionsenergie basiert auf dem Prozess der Verschmelzung («Fusion») von Atomkernen. In der Sonne und anderen Sternen liefert dieser Prozess die abgestrahlte Energie. Fusionsenergie gilt als sauberer als Kernspaltung, zudem gibt es dabei, anders als bei fossilen Kraftwerken, keinen direkten CO2-Ausstoß.

Quelle: dpa

 

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