Seit rund 100 Tagen ist Sebastian Niedermaier als Bambergs Oberbürgermeister im Amt – Zeit für eine erste Bilanz in unserem Sommerinterview.
Ein Thema: das geplante „blau-grüne Klimaband“ für die Innenstadt. Dabei sollen Plätze wie der Maxplatz zum Teil entsiegelt und mit mehr Begrünung und Wasser eine höhere Aufenthaltsqualität erhalten. Für Niedermaier ein „Meilenstein“ in der Stadtgestaltung:
„Was wir da geschafft haben, ist wirklich was, was ich auch im Wahlkampf mitgenommen habe. Ich glaube, jeder wie wichtig die Entwicklung und die Weiterentwicklung der Innenstadt ist zur Attraktivität. Also wir haben es jetzt gesehen beim Blues & Jazz Festival. Ich sehe es ja selber aus dem Büro raus. Die Leute sitzen alle wirklich nur im Schatten. Da kann man so viele Tische aufstellen, wie man will. Niemand setzt sich da in die Sonne. Und deswegen müssen wir die Stadt umgestalten, wenn wir eine zukunftsfähige Innenstadt haben wollen.“
Eine Umgestaltung des Maxplatzes heiße dabei nicht, dass der Platz in Zukunft kein Ort mehr für Großveranstaltungen sein könne, so Niedermaier weiter. Man müsse Veranstaltungen auf dem Maxplatz aber anders denken und beispielsweise die Gastronomie mehr mit einbeziehen. Und: auch andere Plätze, wie der Platz der Menschenrechte im Osten der Stadt, könnten geeignete Locations sein.
Ein weiterer Punk im Interview: ein möglicher Bunderwehrstandort auf dem Muna-Gelände und die Verhandlungen mit der Bundeswehr und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben:
„Ich denke, dass wir Ende des Jahres da mehr wissen, aber es ist natürlich ein riesen Projekt an vielen Standorten in Deutschland, wo die Bundeswehr gerade aktiv ist und schaut, wie es sich entwickeln kann. Aber Bamberg ist attraktiv, ist attraktiv für die Bundeswehr, ist attraktiv für die Bundespolizei und für Studenten, für die Universität.“
Er und die Stadt seien in intensiven Gesprächen mit den jeweiligen Verantwortlichen, so Niedermaier weiter. Er gehe nach wie vor zu 90 Prozent davon aus, dass die Bundeswehr mit einem Standort nach Bamberg komme.
Außerdem ging es um die Wirtschaft in Bamberg. Wichtig sei ihm der Dialog mit den Unternehmen und Händlern in der Stadt. Zudem gehe es um neue Strukturen in der Verwaltung, so Niedermaier:
„Wir hatten es jetzt beim Brucknersteg, dass wir das hier für die Gastronomie, die anrainend war, wirklich unterstützend begleiten können, auch mal ein anderes Verwaltungshandeln reinbekommen. Wir haben die Problematik, dass die Wirtschaftsförderung immer erst informiert wird, wenn die Baustelle klar und definiert ist. Aber es muss genau umgedreht werden innerhalb der Verwaltung. Die Wirtschaftsförderung muss von vornherein mitgenommen werden bei den Planungen. Und das sind so Strukturen, die wir neu aufbauen müssen.“
Auch mit großen Unternehmen wie Brose und Bosch und der Uni Bamberg stehe er im Austausch.
In unserem Interview sprach er auch über das Thema Wohnen. Das spielte bereits im Wahlkampf eine wichtige Rolle:
„Ich finde, einen wichtigen Schritt haben wir gemacht mit der Änderung der Bebauungspläne, dass wir hier wirklich mit reingenommen haben, dass Ferienwohnungen nicht mehr ausgewiesen werden dürfen. Das ist ein ganz starkes Schwert, wir haben vielleicht sogar stärker als die Zweckentfremdungssatzung, wenn wir direkt in die Bebauungspläne reingehen. Das haben wir schon in unserer allerersten Sitzung des Bauernwerks Senates gemacht.“
Jetzt gehe es darum, das Bamberger Modell 2.0 anzuschieben. Dabei sollen Gelder und Fördergelder dazu verwendet werden, bestehenden Wohnraum, Dachböden und Leerstand zu aktivieren und nutzbar zu machen, so Niedermaier. Ein weiteres Thema: das 6er-Kooperationsbündnis im Stadtrat:
„Ja, die Kooperation hat sich wirklich auf ein breites Fundament gestellt. Auch unser Kooperationspapier ist ja wirklich umfangreich. Das gibt es selten bei Kommunen so in dem Umfang. Und wir haben, glaube ich, jetzt auch bewiesen, auch bei der Lebensader Innenstadt, dass wir als Kooperation stehen und zusammenarbeiten und auch gemeinsam Ideen entwickeln. Das war ganz wichtig für uns. Auch jetzt bei der Ausschreibung des Finanzreferates haben wir auch eingehalten, was wir ins Kooperationspapier geschrieben haben.“
Das gute Verhältnis zeige sich auch in der Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterkollegen Jonas Glüsenkamp und Eva Jutzler. Wie sich Glüsenkamp als unterlegener Stichwahlkandidat in den Dienst der Stadt stelle, sei ein leuchtendes Beispiel, so Niedermaier.
„Für Jonas ist es auch keine leichte Situation gewesen, er hat immer darauf hingearbeitet, Oberbürgermeister zu werden und sich jetzt so im Dienste meiner Amtszeit und der Stadt Bamberg zu stellen, da ist er doch das leuchtende Beispiel, wie man zusammenarbeiten kann.“
Im Radio Bamberg Sommerinterview blickt Niedermaier auch auf die Zeit nach der Sommerpause. Einige wichtige Projekte und Themen stehen an, unter anderem die Haushaltsberatungen:
„Die werden natürlich schwierig für das Jahr 2027. Man sieht es bei den Kommunen außen rum, Nürnberg, Erlangen, Forchheim, in welchen finanziellen Schwierigkeiten die sind. Bamberg steht auch nicht gerade sehr gut da, was die finanzielle Ausstattung betrifft. Hier müssen wir als Kooperation auch stehen. Das wird ganz entscheidend sein. Wir haben eine Kooperation aus sechs Gruppierungen. Hier müssen wir gemeinsam stehen und einen ordentlichen Haushalt für 2027 aufstellen.“
Das gesamte Sommerinterview gibt’s hier