Zwei Wolfswelpen stehen auf einem Feld., © Torsten Beuster/-/dpa/Symbolbild

«Wolf gehört hier nicht her»: Leichter Abschuss gefordert

Vertreter der bayerischen Staatsregierung haben sich zu einem leichteren Abschuss von Wölfen aus schwer schützbaren Almgebieten bekannt. «Der Wolf gehört hier nicht her. Das ist nicht sein Lebensraum», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch bei der Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern auf der Sieblalm bei Rottach-Egern im Landkreis Miesbach. Ganz in der Nähe soll kürzlich ein Wolf Schafe gerissen haben.

Söder, zum zweiten Mal nach 2018 bei der Almbegehung dabei, wies auf die bergige Landschaft: «Wie soll man das mit den Zäunen hier eigentlich machen?» Eine «Entnahme» – meist wohl ein Abschuss – müsse möglich sein, wenn die Wolfsbestände zu stark würden. Im Zweifel sei die Almwirtschaft wichtiger als ein einzelner Wolf. «Wir müssen eh froh sein, dass der beschwerliche Job Almwirtschaft gemacht wird.»

Bis zum Ende des Almsommers kündigte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) vor rund 400 Bauern einen wichtigen Schritt für eine raschere Entnahme an. Dann sollen im Alpenraum für eine Umzäunung nicht geeignete Weideflächen großräumig zusammengefasst werden. Wenn Wölfe hier Schäden an Nutztieren verursachten, könnten sie rascher getötet werden. «Wölfe sind nicht vom Aussterben bedroht – aber unsere Almbauern sind es bald», warnte die Ministerin.

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagte, die Biodiversität der Almen hätten die Bauern durch «der Hände Arbeit» geschaffen, dies dürfe nicht zugunsten des Wolfes gefährdet werden. Die Almen seien eine «echte Arche Noah für die Almwirtschaft», ergänzte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Sie seien angesichts der vielen Wanderer auch nicht mit Herdenschutzhunden schützbar.

Ganz so eindeutig ist die Meinung in der Gesellschaft nicht. Anfang des Jahres hatte der Streit um die Abschussgenehmigung für einen Wolf in Oberbayern die Gerichte beschäftigt. Die Regierung von Oberbayern hatte den Abschuss eines Tieres zugelassen – mit der Begründung, eine Gefährdung von Menschen sei nicht ausgeschlossen. Dagegen gingen Naturschützer gerichtlich vor. Doch zu diesem Zeitpunkt war, wie später bekannt wurde, der Wolf schon tot – überfahren in Tschechien.

Für von Wölfen gerissene Nutztiere gibt es Ausgleichszahlungen, doch Almbauern beklagen oft eine komplizierte oder nicht ausreichende Anerkennung von Schäden. Sie fordern seit langem die Ausweisung nicht schützbarer Gebiete vor allem für Gebirgsregionen im Süden Bayerns.

Der Streit um den Wolf ist regelmäßig auch Thema bei der jährlichen Hauptalmbegehung, bei der sich Politiker über die Lage der Almwirtschaft informieren. Die Bauern verlangten von der Politik auch eine Entbürokratisierung. Habe man früher einen Abend «Papierkram» erledigt, sei es nun ein ganzer Tag pro Woche, klagten Bauern. Die An- und Abmeldung von Tieren, Versicherungen, Buchführung, Berechnungen für Vorgaben der Düngeverordnung und bei Bio-Betrieben die Dokumentation für die Zertifizierung kosteten immer mehr Zeit.

Söder sagte, es müsse mehr Vertrauen in die Bauern geben. «Ich hab‘ manchmal das Gefühl, dass ein Landwirt öfter kontrolliert wird als ein Kernkraftwerk.» Er und Kaniber verlangten ungeachtet eines Endes für die Anbindehaltung weiter die Möglichkeit zur Kombi-Haltung. Dabei müssen die Tiere einen Großteil des Jahres auf der Weide sein, sind aber für eine bestimmte Zeit auch angebunden im Stall. Ein Ende würde den Almbauern zufolge das Aus für viele Betriebe und damit für Almen bedeuten. Die Anbindehaltung soll für mehr Tierwohl abgeschafft werden. Ob die Kombihaltung dazu zählt, ist nicht ganz klar.

In Bayern gibt es rund 1500 Almen und Alpen. Etwa 55 000 Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde verbringen dort alljährlich den Sommer.