Reben spiegeln sich im Wassertropfen einer Tröpfchen-Bewässerungsanlage in einem Weinberg., © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Woher bekomme ich Wasser? Winzer und Co nutzen auch den Main

Ob mit Wasser aus Speicherbecken oder aus dem Main: Lediglich ein Bruchteil von Frankens Winzern kann seine Reben künstlich bewässern. Nach Angaben von Frankens Weinbaupräsident Artur Steinmann gibt es nur für rund 300 der etwa 6300 Hektar Weinanbaufläche Systeme für eine optimale Bewässerung. In trockenen Sommern wie heuer werde dort das Wasser von Speicherbecken über ein langes Leitungssystem an die Reben getropft. Im Idealfall stehe der Speicher oberhalb des Weinbergs und fülle sich im Winter und Frühjahr mit Regen- und Schmelzwasser.

Bei weiteren 1000 Hektar werde Wasser etwa aus dem Main mit Schleppern zum Weinberg gefahren, mit Blick auf die Umwelt ist das Steinmann zufolge nicht ideal. Aus dem Fluss darf auch nicht jeder ohne weiteres Wasser entnehmen – dazu braucht es eine Genehmigung. An der Mainschleife bei Volkach (Landkreis Kitzingen) beregnen Winzer mit Main-Wasser die Weinstöcke. «Auf 5000 Hektar können wir gar nicht bewässern», sagte Steinmann.

Woher bekomme ich Wasser? Diese Frage stellen sich ebenso Obstbauern, Kleingärtner, Baumschulen, Sportvereine und Gemeinden vor allem im niederschlagsarmen Unterfranken. Nach Auskunft von Landratsämtern können auch sie eine Wasserentnahme aus dem Main beantragen – die Behörde legt je nach Bedarf die Menge fest.

«Ebenfalls festgelegt sind die Monate der Beregnung und der Zeitraum pro Tag», erklärte ein Sprecher des Landratsamts Schweinfurt. Im Zuständigkeitsbereich der Behörde dürfen 12 Winzer insgesamt 9800 Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Main entnehmen, «wobei zwei Winzer neben dem Wein auch noch Obstbäume bewässern».

Im Bereich des Landratsamtes Würzburg haben vier Winzer eine Erlaubnis, insgesamt 5410 Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Main zu nutzen. «Bei Niedrigwasser des Mains darf keine Wasserentnahme aus dem Main erfolgen», wie das Landratsamt Kitzingen erklärte. «Niedrigwasser liegt vor, wenn am Mainpegel Trunstadt ein Wasserstand von 150 Zentimeter oder weniger erreicht ist.» Der Main ist mehr als 520 Kilometer lang, knapp 408 Kilometer davon führen durch Bayern.

In kaum einem anderen deutschen Weingebiet ist es im Sommer so heiß und trocken wie im Norden Bayerns. «Es wird für uns ganz wichtig sein, wie sich der August entwickelt», sagte der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbands, Hermann Schmitt, mit Blick auf das Wetter der nächsten Wochen. Noch hätten nur die Anlagen mit jungen Stöcken Probleme, weil die Pflanzen nicht so tiefer wurzelten wie Reben jenseits der zehn Jahre. Aber wenn es weiter so trocken bleibt, könnten Ertrag und Qualität sinken.