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Weinlese in Franken startet: Schlechte Ertragsprognose

Sommerhausen (dpa/lby) – Spätfrost, Trockenheit und dann auch noch die Corona-Pandemie: Fränkische Winzer erwarten zu Beginn der Hauptlese weniger Erträge. «Der Fränkische Weinbauverband rechnet damit, dass auf das ganze Gebiet gesehen maximal die Hälfte einer durchschnittlichen fränkischen Ernte gelesen werden wird», sagte Michael Bock vom Fränkischen Weinbauverband in Würzburg. Regional und in einzelnen Betrieben werden auch höhere Ausfälle befürchtet. Eine «moderate Erhöhung» der Preise für den Frankenwein ist nach Angaben des Weinbauverbandes möglich.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) eröffnet heute die Weinernte in Sommerhausen (Landkreis Würzburg). Neben der Fränkischen Weinkönigin, Carolin Meyer, ist auch der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann, dabei. Steinmann appelliert seit längerem eindringlich an die Bayerische Staatsregierung, die zugesagten Mittel für die Bewässerungsanlagen freizugeben.

Künftig sollen Obstbauern und Winzer finanziell beim Abschluss einer Versicherung gegen Frost und Starkregen unterstützt werden. Von 2021 an sollen jährlich 1,5 Millionen Euro fließen, damit Wein- und Obstbauern die teils kostenintensiven Versicherungen gegen Ernteausfall abschließen können.

Schon im Mai hatte Spätfrost sichtbare Schäden in den fränkischen Weinbergen verursacht: braune Weinblätter, erfrorene Traubenansätze oder Triebe. Stark betroffen waren die Mainschleife, Teile des Steigerwalds sowie Saale- und Taubertal. «Der Klimawandel zeigt sich immer stärker in Franken. Die warmen Temperaturen lassen die Rebstöcke früher austreiben – eine einzige kalte Nacht mit Spätfrost genügt, um für immense Ausfälle zu sorgen», sagte Bock.

In den Steil- und Steilst-Lagen machte die Trockenheit zu schaffen. Auf manchen Feldern war im Sommer der Boden aufgrund der Trockenheit verkrustet, so dass Wasser von der Oberfläche floss. Viele Winzer hätten bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gearbeitet, sagte Steinmann im August. Die Situation ist dem Präsidenten zufolge «dramatisch», und eine Bewässerung der Rebanlagen nach dem dritten Jahr Trockenheit in Folge ist notwendig.

Erschwerend für viele Winzer waren die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Zwar halfen sich einige mit kreativen Ideen wie digitalen Weinverkostungen. Dennoch kämpfte die Branche mit erheblichen Absatzproblemen.

Seit Jahren testet der Fränkische Weinbauverband zusammen mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Schutzmethoden. Ein intelligentes und ressourcenschonendes Bewässerungsmodell wurde laut Steinmann bereits entwickelt: Dabei wird während wasserreicher Monate Oberflächenwasser gesammelt und in trockenen Monaten durch sparsame Tröpfchenbewässerung an die Rebstöcke abgegeben. Erste Pilotprojekte gebe es – nur das Geld zur weitflächigen Umsetzung fehle.

«Es geht um die Existenz», sagte Steinmann. «Wenn hier nicht etwas passiert, dann gehen die Weinberge ein.» Ohne Bewässerung seien die Steillagen und die über Jahrtausende gewachsene Weinkulturlandschaft Frankens gefährdet: «Davon hängen rund 200 Wein- und Winzerdörfer ab. Die Lebendigkeit, das Kulturleben in diesen Dörfern ist durch den Wein geprägt.»

Bayernweit ist die Rebfläche rund 6400 Hektar groß. Auf Franken entfallen davon etwa 6300 Hektar, die zahlreiche Weintouristen anziehen. Nach einer Studie der Hochschule Geisenheim (Hessen) geben sie jährlich etwa 700 Millionen Euro in Franken aus.

Trotz der Trockenheit und Spätfröste wird eine gute Weinqualität erwartet. «Durch die kalten Nächte und die warmen Tage haben wir nicht nur sehr gesundes und qualitativ hochwertiges Lesegut, sondern können auch frische feinfruchtige Weine mit ausgeprägtem Aromen- und Säurenspiel für den Jahrgang 2020 erwarten», sagte Steinmann.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Franken laut Fränkischem Weinbauverband die geringste Ernte seit 1985 eingefahren. Lediglich 5600 Liter pro Hektar und damit etwa 33,5 Millionen Liter konnten verarbeitet werden, wie die Regierung von Unterfranken mitteilte. 2018 waren es noch 8600 Liter pro Hektar, im Jahr davor 7560. Zahlen für dieses Jahr werden zur Erntebilanz 2020 erwartet.