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Verwunderung über Warntag in Bayern

München (dpa/lby) – Der erste bundesweite Probealarm am Donnerstag hat bei manchen Menschen in Bayern für Verwunderung gesorgt – denn mancherorts gab es keinen Sirenen-Alarm und auch die amtlichen Warn-Apps blieben teilweise still. In nicht allen Städten des Freistaats gibt es noch Katastrophenschutz-Sirenen. Probleme bei den Apps gab es wegen einer Überlastung. Im Ergebnis: Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen.

Das Bundesinnenministerium in Berlin bezeichnete den Probealarm offen als «fehlgeschlagen». Grund sei ein technisches Problem gewesen. «Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet», kündigte das Ministerium in Berlin an. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt werden.

Für München erklärte ein Feuerwehrsprecher, es gebe in der Landeshauptstadt seit vielen Jahren gar keine solcher Sirenen mehr. Sie seien nach dem Ende des Kalten Kriegs nach und nach abgebaut worden. Gewarnt worden sei dagegen über Warn-Apps wie NINA und KATWARN. Im Notfall könnten Menschen auch über Lautsprecher auf Feuerwehr- oder Polizeiautos informiert werden. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer verwundert darüber, dass Sirenen nicht heulten.

Im Stadtgebiet von Nürnberg dagegen gingen alle 59 Sirenen an, wie ein Sprecher der Feuerwehr erklärte. Der Grund: Seit einigen Jahren baut die Frankenmetropole wieder Sirenen auf, bis Ende 2021 sollen es 106 im Stadtgebiet sein. Hintergrund für die Investition von rund 2,8 Millionen Euro waren dem Sprecher zufolge einige größere Schadensfälle in den vergangenen Jahren.

Auch in Augsburg heulten die Sirenen des Katastrophenschutzes. Alle 52 seien bei der Probe problemlos ausgelöst worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Da im Süden der Stadt derzeit nur zwei aufgebaut seien, hätten manche Bürger den Signalton womöglich nur leise gehört.

Die Sprecher der Feuerwehren in Nürnberg und Augsburg wiesen allerdings darauf hin, dass zahlreiche Sirenen im Freistaat stumm blieben, weil diese häufig nur zur Alarmierung von Feuerwehren dienten. Nur wenige dieser Sirenen seien in der Lage, zusätzlich auch Warnsignale des Katastrophenschutzes wiederzugeben.

Wie viele Sirenen bayernweit genau für die Probe angesprungen sind, war unklar. Dem bayerischen Innenministerium lagen dazu keine konkreten Zahlen vor. Aus einer Auflistung des Ministeriums ging hervor, dass Sirenen in zahlreichen Gemeinden und Märkten über den gesamten Freistaat verteilt losheulen sollten. Auch einige Städte wie Landshut, Passau, Regensburg, Ansbach, Erlangen, Aschaffenburg, Würzburg, Kaufbeuren oder Memmingen waren dabei. Teilweise auch mit mobilen Sirenen, etwa auf Feuerwehrfahrzeugen.

Vor allem in sozialen Netzwerken klagten zahlreiche Nutzer, dass auch die amtlichen Warn-Apps stumm blieben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn erklärte diese Panne mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen. Präsident Christoph Unger sagte: «Erste Analysen haben ergeben, dass um 11 Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, so dass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist.»

Der Warntag, der künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden soll, soll auf Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge vorbereiten. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen.