Daniel Day-Lewis bei der Premiere von «Der seidene Faden» in Athen., © Aristidis Vafeiadakis/ZUMA Wire/dpa

Verschmilzt mit seinen Rollen: Daniel Day-Lewis wird 65

Sein Markenzeichen ist die intensive Vorbereitung auf eine Rolle. Der britisch-irische Schauspieler Daniel Day-Lewis wird in seinen Filmen eins mit den Charakteren, die er verkörpert.

Er geht dabei bis an seine physischen und mentalen Grenzen und verschmilzt mit der Identität seiner Leinwandfigur – Method Acting, als Handwerk der Schauspielkunst, hob er mit leidenschaftlicher Hingabe auf die nächste Stufe. An diesem Freitag (29. April) wird er 65.

Intensive Vorbereitung

Für die Annäherung an seine Figuren betreibt Day-Lewis einen enormen Aufwand. Zur Vorbereitung auf die Rolle des gelähmten irischen Künstlers und Schriftstellers Christy Brown für den Film «Mein linker Fuß» (1989) lernte Day-Lewis nicht nur monatelang das Schreiben, Tippen und Malen mit seinem Fuß, sondern verbrachte auch über zwei Monate in einer entsprechenden Spezialklinik. Der Lohn seiner Leistung sollte sein erster Oscar-Gewinn werden.

Für seine Darstellung als Hawkeye in Michael Manns «Der letzte Mohikaner» (1992) trainierte Day-Lewis zuvor Überlebenstechniken und lernte, Tiere zu jagen und zu häuten sowie ein Kanu zu bauen. Für «The Boxer» (1997) ließ er sich die Hände tätowieren und übte sich knapp drei Jahre lang zweimal täglich im Faustkampf.

Daniel Day-Lewis, der seine Rollen immer sehr bedacht auswählte und eine Vorliebe für die schwierigen Charaktere hatte, zog sich nach «The Boxer» für mehrere Jahre aus dem Kinogeschäft zurück, um sich einer Schuhmacher-Lehre in Florenz zu widmen.

In dem als «grandiose One-Man-Show» charakterisierten Film «There Will Be Blood» (2007) verkörperte er unter der Regie von Paul Thomas Anderson den aufbrausenden Pionier Daniel Plainview, der Ende des 19. Jahrhunderts durch die Entdeckung von Öl zu Reichtum gelangte. Für die Rolle lernte er es, mit traditioneller Bergbauausrüstung zu arbeiten. Für diese von der Kritik gefeierte Performance gewann er seinen zweiten Oscar.

2012 stand er dann in «Lincoln» in der Rolle des 16. Präsidenten der USA vor der Kamera. Day-Lewis insistierte während des Drehs, dass ihn alle Beteiligten mit «Mr. President» ansprechen sollten – auch Regisseur Steven Spielberg blieb davon nicht verschont. Zudem studierte er Fotos aus dem Bürgerkrieg bis ins kleinste Detail und las immer wieder Lincolns Briefe laut vor, um dessen Darstellung zu perfektionieren.

Der dritte Oscar

Die Hingabe zahlte sich abermals aus – Daniel Day Lewis wurde mit Preisen und lobenden Kritiken überhäuft und wurde mit seinem dritten Oscar ausgezeichnet, womit er der bislang einzige männliche Schauspieler ist, der den Oscar als bester Hauptdarsteller dreimal erhielt. 2017 gab er bekannt, dass er nicht mehr als Schauspieler arbeiten werde. Im selben Jahr erhielt er für seine letzte Filmrolle im Drama «Der seidene Faden» seine sechste Nominierung für den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Für ihn sei die Zeit unbegrenzt, ein Leben zu entdecken, sagte er einst über die Vorbereitung auf eine Rolle. «Es kann sechs Monate, ein Jahr oder ein ganzes Leben dauern.» Die Hoffnung bleibt also, dass er eines Tages wieder auf der Leinwand auftaucht und dann vielleicht einen zurückgezogenen Schauspieler im Ruhestand spielt.