Ein unterernährtes, fünf Monate altes Kind im Südsudan., © Sam Mednick/AP/dpa

Weltweit 345 Millionen akut Hungernde

Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die weltweite Hungerkrise auf extreme Weise verschärft. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen zählt aktuell 345 Millionen Menschen in 82 Ländern, die akut Hunger leiden.

Das sind über 200 Millionen mehr als noch vor dem Ausbruch des Coronavirus, als die Hilfsorganisation 135 Millionen Hunger Leidende in 53 Ländern gezählt hatte. Innerhalb von gut zwei Jahren hat sich die Zahl damit mehr als verdoppelt, wie mitgeteilt wurde.

Die UN-Behörde schlägt Alarm. «Die Gefahr ist sehr real, dass der weltweite Bedarf an Essen und Ernährung bald die Kapazitäten des WFP – und jeder anderen Organisation – übersteigt», heißt es in dem aktuellen Bericht des WFP. Laut Experten droht die schlimmste humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Nachdem viele der ärmsten Länder schon von den Auswirkungen des Klimawandels und dann der Covid-19-Pandemie heftig betroffen waren und teils immer noch betroffen sind, kommt nun der Krieg in der Ukraine dazu. Wegen des russischen Angriffs, der Blockade der Häfen am Schwarzen Meer und des enormen Preisanstiegs für Getreide auf dem Weltmarkt können viele Länder etwa in Afrika nicht wie geplant mit Nahrungsmitteln wie Weizen versorgt werden.

Deutschland will mehr Geld bereitstellen

«Wir steuern auf eine der größten Hungerkrisen der letzten Jahrzehnte zu und müssen alles tun, um so viel zu vermeiden wie möglich», sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Rom. Sie war extra in die italienische Hauptstadt gereist, um bei der Eröffnung der Jahressitzung des WFP-Exekutivrats dabei zu sein. Dort warb sie für mehr Hilfe.

Schulze kündigte an, dass sie den deutschen Beitrag an das WFP aus dem Vorjahr von 1,2 Milliarden Euro auch in diesem Jahr erreichen und möglichst übertreffen wolle. Allein der Kernbetrag ihres Ministeriums werde von 28 auf 70 Millionen Euro erhöht, versprach sie.

Zugleich rief die Ministerin andere zu mehr finanziellem Engagement auf – zumal dem WFP die Hälfte des benötigten Budgets noch fehle. Wenn man ärmere Staaten wirksam unterstützen wolle, sich künftig besser selbst zu versorgen und unabhängiger zu werden etwa von Getreide aus Russland, «dann braucht es einfach Geld», sagte Schulze. «Deutschland ist einer der größten Geber und wir können mit Fug und Recht von anderen einfordern, dass sie noch mehr tun.»

Schulze warb dabei für das im Mai von Deutschland und der Weltbank ins Leben gerufene Bündnis für globale Ernährungssicherheit, das bei der politischen Koordinierung im Kampf gegen den weltweiten Hunger helfen soll. Am Freitag steht in Berlin eine internationale Konferenz an, die von drei deutschen Ministerien ausgerichtet wird.