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SPD prangert Tarifflucht im Handel in Bayern an

München (dpa/lby) – Die Landtags-SPD prangert eine massive Tarifflucht in bayerischen Handelsunternehmen und eine nach wie vor ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern an. Nur noch 25 Prozent der Beschäftigten im Handel arbeiteten in Unternehmen mit Tarifvertrag, kritisierte die SPD am Mittwoch in München unter Berufung auf Zahlen des Sozialministeriums. 2010 waren es demnach noch 53 Prozent.

«Das ist ein dramatischer Einbruch, der nicht nur zu niedrigeren Löhnen führt, sondern auch schlechtere Arbeitsbedingungen mit sich bringt», kritisierte Fraktionschef Horst Arnold. «Applaus bringt der Kassiererin im Supermarkt nicht viel, sie braucht mehr Geld auf dem Konto.»

Aus Antworten von Wirtschafts- und Sozialministerium auf Anfragen der SPD geht zudem hervor, dass der durchschnittliche Stundenlohn der Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel bei 19,77 Euro brutto liegt. Dabei gibt es aber eine Lücke zwischen Frauen und Männern: Bei Frauen liegt er bei 17,83 Euro, bei Männern bei 23,24 Euro.

Arnold kritisierte, dies sei eine nicht hinnehmbare Schieflage angesichts nahezu gleicher Arbeit. Es gebe keinen Grund für eine derartige Spreizung bei der Bezahlung der Beschäftigten. Die SPD fordert deshalb nach Worten Arnolds einen «Pakt für anständige Löhne und gegen Lohndumping». Die SPD-Wirtschaftsexpertin Annette Karl betonte, die Tarifhoheit werde natürlich respektiert. Ziel müsse es aber sein, «Auswüchse» anzupacken, etwa mit freiwilligen Verpflichtungen.

In ihrer Antwort auf die SPD-Anfragen betont auch die Staatsregierung, auskömmliche Löhne und faire Arbeitsbedingungen seien für sie zentrale Anliegen. «Dies gilt insbesondere für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in systemrelevanten Berufen wie dem Einzelhandel.» Ebenso sei eine möglichst hohe Tarifbindung wünschenswert. «Flächentarifverträge mit hoher Tarifbindung bieten Gewähr für angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen. Ein Rückgang der Tarifbindung ist deshalb zu bedauern.» Die Staatsregierung verwies aber ebenfalls auf die Tarifautonomie.