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Erster Impfstoff angekommen: Söder: «macht Hoffnung»

Erlangen/München (dpa/lby) – Der Corona-Impfstoff ist da: Die erste Lieferung mit 9750 Impfdosen ist am Samstag in Bayern eingetroffen. Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) nahmen eine Hälfte davon in Erlangen in Empfang, die übrigen Dosen kamen an einem zweiten zentralen Lagerstandort in München an. Von dort wurden sie noch am Samstag regional verteilt.

Am Sonntag soll das Impfen starten. Mobile Impfteams werden in den ersten Tagen zu Senioren- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern ausrücken. Als erstes sind Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, deren Mitarbeiter sowie medizinisches Personal auf Intensivstationen und in Notaufnahmen an der Reihe.

«Auf Grund der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffes gilt es, zuallererst unsere durch das Virus besonders stark gefährdeten Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen und diesen prioritär ein Impfangebot zu ermöglichen. So ist es auch in der Impfverordnung des Bundes vorgesehen», betonte Huml. Ein Ministeriumssprecher sagte, man rechne damit, dass die Impfung der ersten Prioritätengruppe bis mindestens Ende Januar dauern werde. Diese erste Gruppe unter anderem der über 80-Jährigen werde rechtzeitig informiert, wie sie an ihr Impfangebot komme. Die Menschen würden ab Anfang Januar angeschrieben.

Es sei zumindest eine kleine Menge des Impfstoffs in Bayern angekommen, twitterte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Samstag. «Das macht Hoffnung.» Da die bestellten Mengen erst nach und nach kämen, brauche es weiter Geduld, schrieb Söder aus dem Homeoffice, das er sich selbst nach einem Kontakt zu dem infizierten Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) auferlegt hatte.

Bis zum Jahresende werden weitere rund 205 000 Impfdosen in ultratiefgekühlten Thermoversandbehältern im Freistaat erwartet. Im neuen Jahr soll es mit regelmäßigen Lieferungen weitergehen.

Der Impfstoff, den die Firmen Biontech und Pfizer gegen das Coronavirus entwickelt haben, kam in Erlangen in zwei Kartons mit einem Spezialtransport an – er muss bei extremen Temperaturen tiefgekühlt werden. Das Thermometer des Behälters zeigte Minus 85,4 Grad. «Dryice» (Trockeneis) war auf den Kartons zu lesen. Bewaffnete Polizisten begleiteten die Ankunft.

«Die Polizeien von Bund und Ländern gewährleisten den sicheren Transport des Impfstoffs», sagte Herrmann. Dafür lägen ausgefeilte Sicherheitskonzepte vor. «Wir arbeiten mit Hochdruck an einem reibungslosen Ablauf, damit der Impfstoff sicher auf alle Impfzentren in Bayern verteilt werden kann. Bislang haben wir aber keine Hinweise auf etwaige Störungen oder Angriffe auf die Impftransporte.»

Da für einen wirksamen Schutz zwei Mal geimpft werden muss, wird laut Huml jeweils die Hälfte der Impfstoffdosen zurückgestellt und in den zentralen Lagerstandorten ultratiefgekühlt zwischengelagert. Die Überwachung und Nachverfolgung der Temperatur in der Kühlkette ist eine wichtige Anforderung. Jedes Transportbehältnis ist laut Huml dafür mit sogenannten Temperaturdatenloggern ausgestattet.

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff kommt zunächst an acht zentralen Standorten im Freistaat an und wird von dort an die rund 100 Impfzentren verteilt. Der Ablauf der Lieferungen ist genau geplant. Die Bundespolizei begleitet die Auslieferung des Impfstoffs auf dem Weg in die Zentrallager. Von dort wird er durch ein privates Logistikunternehmen oder auch durch das Technische Hilfswerk (THW) zu örtlichen Impfzentren gebracht. Dort werden die Fläschchen in normalen Medizinkühlschränken gelagert und müssen binnen drei bis fünf Tagen verbraucht werden.

Die erste Lieferung für den Freistaat wurde noch am Samstag von München und Erlangen aus gleichmäßig aufgeteilt. Lediglich München erhielt mit 250 Impfdosen mehr.

Am Impfzentrum Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg kam der erste Impfstoff für Schwaben an. «Die Möglichkeit einer Impfung ist ein kleiner Pieks für den Einzelnen, aber für alle ein großer Schritt in Richtung Normalität», sagte Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek, der dort mit Sozialministerin Carolina Trautner (beide CSU) auf die Lieferung wartete. Auch Trautner sagte, die Impfung mache Mut und Hoffnung.

Holetschek mahnte allerdings: «Wir dürfen dabei jedoch keinesfalls außer Acht lassen, dass das Virus nach wie vor grassiert und eine Infektion für einige Menschen schwerwiegende Gesundheitsfolgen verursachen kann.» Er rief die Menschen auf, sich weiter gewissenhaft an die Hygieneregeln zu halten.

Auch Huml hatte vor einigen Tagen vor zu großen Hoffnungen auf rasche Fortschritte durch die ersten Impfungen gewarnt. «Trotz der Impfungen stehen uns allen noch herausfordernde Monate bevor.» Es sei deshalb weiter wichtig, die Schutzmaßnahmen einzuhalten und die sozialen Kontakte zu reduzieren. «Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass wir mit dem Beginn der Impfungen in unserer Wachsamkeit und Vorsicht nachlassen dürfen», mahnte Huml.