Schulkinder gehen in München in die Schule., © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Gute Wünsche zum Start in ein schwieriges Schuljahr

Für 1,68 Millionen Kinder und Jugendliche hat am Dienstag wieder die Schule begonnen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wünschte den Schülerinnen und Schülern «ein tolles Miteinander mit viel Zeit zum gemeinsamen Leben, Lernen und Lachen in der Schulgemeinschaft». Er und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) überreichten Erstklässlern einer Münchner Grundschule Schultüten mit nützlichen Dingen wie Stiften oder einem Reflektorband. Bayernweit gibt es rund 130.000 Schulanfänger. Trotz der guten Wünsche steht das Schuljahr unter schwierigen Vorzeichen. Der Schulstart sollte deshalb auch Thema der Kabinettssitzung am Dienstagvormittag sein.

«Schulsystem reformieren statt heile Welt spielen», hieß es auf einem Plakat, das eine Frau während des Schulbesuchs von Söder und Piazolo hochhielt. Vor allem der Lehrermangel macht den Schulen in Bayern zu schaffen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sprach kürzlich von 4000 fehlenden Kräften, Piazolo dagegen hatte erklärt, es müssten noch einige hundert Stellen besetzt werden.

Auf ein Ärgernis für Zehntklässler am Gymnasium machte der Bayerische Philologenverband (bpv) aufmerksam: fehlende Lehrbücher zum Schulstart. Die Jugendlichen sind der erste Jahrgang, der das Abitur 2026 wieder nach neun Jahren Gymnasium ablegen wird. Weil es für das G9 andere Lehrpläne gibt, wurden neue Bücher notwendig, die aber nach Angaben des bpv nun zum Teil nicht vorliegen. Bereits vor einem Jahr habe es ähnliche Schwierigkeiten für die damaligen neunten Klassen gegeben. «Dieses Jahr sind deutlich weniger Fächer betroffen, aber immer noch zu viele», kritisierte der bpv.

Schwierig ist auch die Frage, wie Klassenzimmer, Gänge und Toiletten trotz der Energiekrise beheizt werden können. Auch eine mögliche neue Corona-Infektionswelle bereitet den Verantwortlichen Sorge. Sie könnte die angespannte Personalsituation verschärfen. Zudem hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler gegenüber dem Vorjahr erhöht – von 1,64 Millionen auf 1,68 Millionen. Rund 30.000 von ihnen sind aus der Ukraine geflohen. Der BLLV rechnet zudem damit, dass rund 1500 Vollzeitkräfte fehlen werden, weil sie länger krank oder schwanger sind. Die mobile Reserve sei oft schon komplett aufgebraucht.

Mehr als 100.000 Lehrer hat der Freistaat nach Ministeriumsangaben derzeit, ein Rekord. Das sind so viele wie noch nie, «aber wir haben immer noch zu wenig», gab Piazolo unlängst zu. Dass 4000 Lehrer fehlen, bestreitet er. «Das Verhältnis Schüler pro Lehrer hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert», sagte ein Ministeriumssprecher. Im Schuljahr 2016/2017 habe es ähnlich viele Schüler gegeben, heute werde dieselbe Anzahl mit 7000 Lehrerstellen mehr unterrichtet. Die mobile Reserve als Ersatz für Ausfälle habe man kontinuierlich weiter aufgestockt. Der Sprecher verwies auch unter anderem auf zusätzliche Ressourcen für Team- und Aushilfslehrkräfte. Auch für das Aufholen von Lernrückständen stünden Mittel zur Verfügung.

Der BLLV sieht dennoch ein «bildungspolitisches Streichkonzert», das Kernbereiche des Unterrichts und grundlegende Strukturen der schulischen Bildung angreife. Klassen seien größer, Fächer wie Musik, Kunst oder Sport würden gekürzt, ebenso Angebote zur Förderung und Differenzierung sowie Arbeitsgemeinschaften. Das gehe auf Kosten der Schwächsten. Dabei müssten Schulen ohnehin viele Defizite aus zwei Corona-Jahren auffangen, monierte der BLLV.

Auch die Landtags-Grünen sprechen vom Krisenmodus: «Wie schon vor den Ferien werden Klassen nach Hause geschickt. Unterricht fällt aus – nicht wegen Corona, sondern weil die Lehrkräfte fehlen. Fataler geht es nicht!» Der Bayerische Elternverband merkte an: «Irgendwie wird es schon laufen, das neue Schuljahr. Die Kinder werden in der Schule «verräumt» sein, und die meisten Schulstunden werden irgendwie stattfinden.»