© Klaus-Dietmar Gabbert

Gegenwind für Kultusminister: Maskenpausen für Schüler

München (dpa/lby) – Der Ton wird rauer, der Gegenwind deutlicher: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sieht sich zunehmender Kritik von Lehrern und Eltern ausgesetzt. Am Freitag forderte die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände samt entsprechender Elternverbände die Abkehr von der «Strategie des Offenhaltens der Schulen um jeden Preis». Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern teilte mit, dass dringend ein Gesamtkonzept für den Unterricht unter Pandemiebedingungen benötigt werde. «Der Schlingerkurs des Kultusministeriums muss aufhören!»

Piazolo zeigte Verständnis. «Wir nehmen das sehr, sehr ernst. Es ist viel Nervosität da im Moment», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine ganze Reihe von Herausforderungen, etwa beim Gesundheitsschutz. Für ihn und das Ministerium gelte: «Man muss immer wieder kommunizieren, man muss aber auch die Themen aufnehmen und einzeln angehen.»

Entsprechend verkündete er neue Regeln für erkältete Schüler und erfüllte damit einen weit verbreiteten Elternwunsch. Auch in den weiterführenden Schulen dürfen die Kinder und Jugendlichen künftig bei einer leichten Erkältung ohne Gang zum Arzt in den Unterricht zurückkehren – sofern sie 48 Stunden lang kein Fieber bekommen haben. Ein ärztliches Attest oder ein negativer Corona-Test sind auch bei höheren Fallzahlen in der jeweiligen Region nicht mehr erforderlich.

Piazolo wies zudem auf Maskenpausen hin. Unter Einhalten des Mindestabstandes dürfe der Mund-Nasen-Schutz auf den Pausenflächen abgesetzt werden. Dies gelte sowohl auf dem Pausenhof als auch innerhalb des Schulgebäudes – letzteres unter der Prämisse, dass der Raum dabei zugleich intensiv gelüftet werde.

Die Staatsregierung hatte das Beibehalten von Präsenzunterricht in den Schulgebäuden unabhängig von den Infiziertenzahlen in der jeweiligen Region zu einem der wichtigsten Ziele während der Corona-Pandemie erklärt. Einen vollständigen Wechsel in den Distanzunterricht soll es nur noch bei einem schweren Infektionsgeschehen in der Schule selbst geben.

«Der derzeitig durchgeführte Vollunterricht auf «Biegen und Brechen» unter den bestehenden Bedingungen und ständig steigenden Infektionszahlen ist nicht die richtige Lösung!», kritisierten nun Philologenverband, Realschullehrerverband, der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen sowie die Katholische Erziehergemeinschaft gemeinsam mit den entsprechenden Elternverbänden.

Sie wiederholten eine Forderung, die sich seit Wochen durch die Diskussion zieht: «Die Schulen, Lehrkräfte und Eltern brauchen Klarheit und einheitliche Vorgehensweisen bei vergleichbaren Situationen und erreichten Infektionsgrenzwerten.» Zudem müsse Präsenzunterricht mit maximalem Gesundheitsschutz einhergehen. Außerdem dürften den Kindern und Jugendlichen durch die Pandemie keine Nachteile entstehen: «Unterrichtsinhalte, Anzahl der Leistungsnachweise und Inhalte der jeweiligen Abschlussprüfungen müssen im Sinne einer Schwerpunktsetzung der Situation angepasst werden.»

Schon am Donnerstag hatten die großen bayerischen Elternverbände harsche Kritik geübt und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) um Hilfe gebeten. Sie forderten klare Regeln. Außerdem solle der Unterricht auf den Kern des Lehrplans reduziert werden. Einzelne Schüler, die sich in Quarantäne befinden, müssten Distanzunterricht erhalten. Ebenso solle ein freiwilliger Distanzunterricht möglich sein, indem der Unterricht live gestreamt werde.

Die Forderungen stießen auf Widerspruch des Philologenverbands. «Man hat fast das Gefühl, dass die Eltern nun alles selbst an den Schulen entscheiden wollen», kritisierte der Vorsitzende Michael Schwägerl. «Eltern sind allerdings nicht der oberste Dienstherr der Lehrkräfte.» Der Streit zeugt von der allgemeinen Anspannung, die am Freitag nach Teilnehmeraussagen auch auf einem «kleinen Schulgipfel» mit Eltern, Schülern und Lehrern von Gymnasien zu spüren war.