© Peter Kneffel

Prozess um Tod eines Häftlings in oberbayerischem Gefängnis

Traunstein/Bernau (dpa) – Vor dem Landgericht Traunstein hat am Dienstag der Prozess um den gewaltsamen Tod eines Häftlings begonnen. Der Zellengenosse des Opfers steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Er erschien in Handschellen zu seiner Verhandlung.

Der Mann aus Mali soll seinen Mithäftling im vorigen Oktober in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau am Chiemsee so heftig in den Schwitzkasten genommen haben, dass das Opfer am Tag darauf im Krankenhaus an den Folgen starb. Der mutmaßliche Täter soll an einer Schizophrenie leiden und schuldunfähig sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Fall in der JVA Bernau aktenkundig wurde. Auch ein Jahr zuvor soll dort ein Häftling einen Mitgefangenen so schwer attackiert haben, dass dieser an den Folgen starb, wie das bayerische Justizministerium mitteilte.

Allein die bayerischen Justizvollzugsanstalten (JVA) meldeten nach Ministeriumsangaben für das vergangene Jahr insgesamt 226 Tätlichkeiten von Häftlingen. In 190 Fällen richteten sich diese Tätlichkeiten gegen Mithäftlinge, in 36 gegen Bedienstete.

Die Gefangenengewerkschaft GGBO fordert mehr Aufmerksamkeit für Gewalt in Haftanstalten. «Das Thema ist da, aber es wird oft nicht ernstgenommen», sagte Sprecher Manuel Matzke der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist so, dass dieses System viel ignoriert. Das liegt auch am Personalmangel.»

© dpa-infocom, dpa:210608-99-907854/4