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Pro Asyl warnt vor Instrumentalisierung von Ellwangen

Berlin (dpa) – Pro Asyl hat vor einer Instrumentalisierung der Vorfälle in einer Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Ellwangen gewarnt.

Der Geschäftsführer der Flüchtlingsorganisation, Günter Burkhardt, sagte der «Heilbronner Stimme» (Samstag): «Ich habe den Eindruck, der Vorfall wird jetzt dafür genutzt, um der Idee von sogenannten Ankerzentren den Weg zu bereiten.»

Burkhardt lehnte diese vom Bund geplanten Asyl- und Abschiebezentren ab. Man werde eine sehr große Zahl von Menschen aus diesen Zentren nicht abschieben können, sagte er und warnte: «Wer Menschen über viele Monate in Ankerzentren einsperrt, zerstört dadurch jegliche Integrationsperspektive. Nach eineinhalb Jahren der Isolierung wird es enorm schwierig, dass die Menschen in einem normalen Leben Fuß fassen.»

Nach den Vorstellungen insbesondere von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sollen Flüchtlinge in diesen Zentren für die gesamte Dauer ihres Asylverfahrens untergebracht werden. Wird ihr Antrag abgelehnt, sollen sie von dort aus zurück in ihr Herkunftsland gebracht werden.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wies Kritik an diesen Plänen zurück: «Diejenigen, die Ankerzentren ablehnen, wollen weniger Ordnung und mehr Zuwanderung», sagte er der «Rheinischen Post» (Samstag). Einer solchen «Politik des Reinwinkens» habe der Koalitionsvertrag eine klare Absage erteilt. «Deutschland ist doch heute das einzige Land, in das man leichter reinkommt als wieder raus», sagte Dobrindt.

In Ellwangen hatten am Montag 150 bis 200 Flüchtlinge Polizisten bedroht, die einen Mann aus Togo abholen wollten, der abgeschoben werden soll. Die Beamten brachen den Einsatz ab. Bei einem Großeinsatz am Donnerstag wurde der Mann dann doch gefasst. Er sitzt inzwischen in Abschiebehaft. Auch bei der Aktion am Donnerstag leisteten Flüchtlinge nach Polizeiangaben teils Widerstand.