Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste müssen von diesem Donnerstag an nach Tarifverträgen oder ähnlich zahlen, um weiterhin mit den Pflegekassen abrechnen zu können., © Marijan Murat/dpa

Pflegeheim für Menschen mit Behinderung in Stegaurach schließt

In vielen Branchen fehlen Fachkräfte – vor allem im Pflegebereich. Da bildet die Lebenshilfe Bamberg keine Ausnahme. Die muss jetzt sogar das Pflegeheim für behinderte Menschen in Stegaurach im Landkreis Bamberg schließen. Eigentlich sollte das Herbert Staudt Pflegeheim jetzt vom Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim übernommen werden. Aber auch das klappt nicht – weil schlicht die Fachkräfte fehlen – laut Lebenshilfe übrigens der einzige Grund für die Schließung des Hauses und bereits seit zwei Jahren ein echtes Problem. Bereits im Frühjahr mussten 5 Bewohner in andere Pflegeheime im Landkreis umziehen, weil das notwendige Personal fehlte. Auf Nachfrage von Radio Bamberg heißt es von der Lebenshilfe, man sei zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres alle verbliebenden 11 Bewohner ein passendes neues Zuhause gefunden haben werden.

 

Hier die Pressemitteilung:

 

Wir müssen unser Pflegeheim in Stegaurach schließen
Seit über 2 Jahren macht die Lebenshilfe Bamberg die Erfahrung, dass sich eine
Nachbesetzung von frei werdenden Pflegefachkraftstellen in ihrem Pflegeheim in
Stegaurach äußerst schwierig gestaltet. „Es ist bittere Realität, dass wir die
Versorgung der Bewohner ohne das entsprechende Personal nicht mehr leisten
können“ äußert sich Geschäftsführer Günther Hofmann. Die Lebenshilfe Bamberg
kann daher auf Dauer den Betrieb des Pflegeheimes in Stegaurach aus eigener Kraft
nicht mehr aufrechterhalten und schließt das Haus zum Ende des Jahres. 18
Bewohner mit Behinderung, die auf viel Hilfe und Pflege angewiesen sind, hatten hier
ihr zu Hause. Alle Versuche, den vorgegebenen Stellenschlüssel zu halten, sind mehr
oder weniger nach kurzer Zeit gescheitert. Stellenangebote wurden bundesweit auf
unterschiedlichsten Online-Plattformen geschaltet und in Tageszeitungen
veröffentlicht, Imagevideos gedreht, Plakate aufgehängt und Flyeraktionen gestartet.
Leider konnten auch auf diesem Wege keine geeigneten Bewerber gefunden werden.
Vorstandsvorsitzender Klaus Gallenz resümiert: „Wir müssen jetzt zugestehen, dass
uns ein Thema erreicht hat, das aus den Medien bekannt ist, nämlich ein
bundesweiter Mangel an qualifizierten Pflegekräften. Deutschland hat ein
strukturelles Problem in der Pflege. Dieses Problem wirkt sich ganz besonders auf
kleine Einrichtungen, so wie unser Pflegeheim, aus.“
Ziel war es im Herbst 2021, für das Pflegeheim einen anderen Träger zu finden und
nicht, dieses aufzulösen.
Dieser Träger wurde mit dem Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim gefunden.
Eigentlich war geplant, das Herbert Staudt Pflegeheim am 01.09.2022 an die
Diakonie zu übergeben. Bewohner*innen und Personal hätten unter der Trägerschaft
weiter in Stegaurach wohnen bzw. arbeiten können. Leider ist der angedachte

Betriebsübergang auf das Diakonische Werk auf Grund weiterhin fehlender
Fachkräfte nicht möglich. Die Lebenshilfe muss deshalb den Betrieb des
Pflegeheimes zum Jahresende einstellen. Sowohl die Lebenshilfe als auch die
Diakonie haben alle Bemühungen unternommen, um das Pflegeheim weiter zu
betreiben. Auch die Unterstützung durch die Diakonie mit zwei Fachkräften seit
Jahresanfang reicht dauerhaft nicht. Bereits im Frühjahr mussten 5 Bewohner*innen
in andere Pflegeheime im Landkreis umziehen, weil uns das notwendige
Fachpersonal fehlte.
Aktuell wohnen noch 11 Bewohner*innen im Pflegeheim. 12
Personalmitarbeiter*innen (Pflegefachkräfte, Hauswirtschafterinnen, Soziale
Betreuung und Reinigung) der Lebenshilfe sind im Dreischichtbetrieb im Einsatz.
Die Eltern und Sorgeberechtigten der Bewohner*innen werden jetzt von der
Lebenshilfe bei der Suche nach einem Heimplatz maßgeblich unterstützt. Seit Anfang
August versuchen die Pflegeheimleitung, Dorothea Langer, die Pflegedienstleitung,
Stefanie Matthes und Geschäftsführer Günther Hofmann individuelle Lösungen für
die Bewohner und Bewohnerinnen zu finden und den Angehörigen eine bestmögliche
Unterstützung bei der Vermittlung der Bewohner*innen in andere Einrichtungen
zukommen zu lassen. Erste Gespräche mit anderen Trägern im Hinblick auf die
Aufnahme von Bewohner*innen haben bereits stattgefunden. Voraussichtlich 2
Bewohner werden in den Gemeinschaftlichen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe
Bamberg einen Platz finden.
„Trotz der schmerzlichen Tatsache, dass wir das Pflegeheim schließen müssen, sind
wir froh, dass wir allen Mitarbeiter*innen ein Arbeitsangebot innerhalb der Lebenshilfe
machen können und sie weiter in unserem Lebenshilfe-Team behalten“, erklärt
Geschäftsführer Günther Hofmann.