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Parken in den Alpen vielerorts teurer

Bad Hindelang/Kochel am See (dpa/lby) – Die Autofahrt in die Alpen ist für viele Ausflügler während der Corona-Pandemie teurer geworden. Beliebte Wander- und Bergsportorte wie Bad Hindelang, Kochel am See oder Samerberg haben sich zuletzt für eine Erhöhung der Gebühren für Wanderparkplätze entschieden. Die Gemeinden hoffen nach dem Andrang im Corona-Sommer 2020, dadurch gerade an Wochenenden und in den Ferien Blechlawinen im eigenen Ort verhindern zu können – und wollen Ausflüglern im Gegenzug Verbesserungen bieten.

«Wir benutzen diese Einnahmen nicht, um irgendwelche Haushaltslöcher zu stopfen», betont der Hauptamtsleiter der Gemeinde Bad Hindelang im Oberallgäu, Manfred Berktold. «Es steht ganz klar die Verkehrslenkung im Vordergrund.» Zahlten Autofahrer an den Parkplätzen im Ort bis zum vergangenen Sommer noch 2,50 Euro pro Tag, sind es nun je nach Parkplatz fünf bis zehn Euro für ein Tagesticket. «Corona war da ein Katalysator», sagt Berktold. «Da wurden Rettungswege zugeparkt, die Anwohner haben unter dem Verkehr gelitten.»

Mit den Gebühren wolle die Gemeinde die Ausflügler zur Anfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr bewegen, sagt Berktold. Deshalb soll Geld aus den Einnahmen von den Parkplätzen in kostenlose Busverbindungen investiert werden. Als Teil des Projekts «Mobilitätskonzept Allgäu» sei auch ein digitales Parkleitsystem in Planung, um Autofahrer die Parkplatzsuche in Bad Hindelang und Hinterstein zu erleichtern.

Aus diesem Grund hat sich auch die oberbayerische Gemeinde Kochel am See für die Einführung von Parkgebühren entschieden. Rund um den Walchensee sei die Situation im vergangenen Jahr nicht mehr tragbar gewesen, sagte Bürgermeister Thomas Holz dem «Münchner Merkur». «Wir mussten das einfach ordnen.» Deshalb kostet das Parken in Kochel am See künftig sechs Euro am Tag plus zwei Euro Tageskurbeitrag, sobald die Mikrochips für die Parkautomaten da sind.

Er hoffe, dass durch die Gebühren mehr Ausflügler auf Bus und Bahn umsteigen – und damit künftig genügend Parkplätze vorhanden seien, sagte Holz. Gleichzeitig wolle die Gemeinde das Parken in den Zufahrts- und Nebenstraßen «unmöglich» machen, die Ressourcen für Kontrollen von Falschparkern seien zudem «massiv erhöht» worden.

Die Gemeinde Samerberg (Landkreis Rosenheim) hat im Mai die Parkgebühren ebenfalls erhöht – von drei auf fünf Euro. Das Geld solle zwar vor allem in Wanderwege, Loipen und das Naturschwimmbad fließen, sagte Bürgermeister Georg Huber. Die Gemeinde finanziert mit den Einnahmen aber auch einen Wanderbus, der sonn- und feiertags für einen Euro pro Ticket vom Rosenheimer Bahnhof zum Samerberg fährt. «Hier merken wir schon eine Zunahme der Gäste», sagte Huber.

Dass wegen hoher Parkkosten Ausflügler fernbleiben könnten, nimmt die Gemeinde in Kauf. Die Gebühren seien «ein wichtiger Beitrag», um die Infrastruktur zu erhalten und zu verbessern, sagte Huber. «Nur so hat auch der einheimische Bürger das berechtigte Gefühl, dass der massive Ausflugsverkehr der Gemeinde nicht nur enorme Belastungen, sondern auch einige Einnahmen beschert.»

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