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Notfalldose als Lebensretter?

München (dpa/lby) – Von den Johannitern beworben, vom Bayerischen Roten Kreuz kritisiert – die sogenannte Notfalldose verbreitet sich nach und nach in Bayern. Die Dose mit den Patienteninformationen der Besitzer wird in die Kühlschranktür gestellt, damit sie der Rettungsdienst im Notfall schnell findet. Eine Akte mit Patientendaten kann überall sein, der Kühlschrank ist in jeder Wohnung schnell zu finden – das ist der Gedanke dahinter.

Sohrab Taheri-Sohi, Pressesprecher beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK), ist skeptisch. Die Rettungskräfte könnten sich auf die Informationen in der Notfalldose nicht verlassen, da diese eventuell nicht aktuell seien. Im Extremfall könnte dann ein Medikament, das der Rettungsdienst ihm verabreicht, dem Patienten schaden, weil entscheidende Daten fehlen. Auch die Malteser in Bayern und Arbeiter-Samariter-Bund Bayern haben wegen der Aktualität der Informationen Bedenken.

Dieses Argument zieht aus der Sicht des Fachbereichsleiters Notrufdienste der Johanniter, Stefan Markard, nicht: «Es wird sich kein Arzt nur auf eine Angabe verlassen, die in der Dose rumliegt.» Die Daten könnten außerdem auch anderen helfen, zum Beispiel den Nachbarn, wenn diese sich um den Besitzer der Notfalldose kümmern: «Dann hat man schon mal einen Anhaltspunkt.» Auch könne man Dokumente wie die Patientenverfügung oder Notfallnummern in der Dose aufbewahren und so schnell zur Hand haben.

Taheri-Sohi zufolge «akzeptiert» das BRK die Notfalldose. Aus Sicht des BRK sei es jedoch besser, wenn der Rettungsdienst mit einem Tablet Zugriff auf eine elektronische Patientenakte hätte, die stets aktuell wäre. Das würde auch bei Einsätzen funktionieren, die außerhalb der Wohnung des Patienten stattfinden – was bei einem Großteil der Einsätze der Fall sei.

Markard will dieses Argument nicht gelten lassen: Selbst wenn nur einer einzigen Person durch die Notfalldose geholfen werden könne, habe sich das System rentiert.