Bayerns Torhüter Manuel Neuer in Aktion., © Soeren Stache/dpa/Archivbild

Neuer beim Comeback gleich «on fire»: Alle Zweifel weg

Manuel Neuer reckte nach dem Schlusspfiff sofort beide Arme in die Höhe. Auch beim Jubeln machte die zuletzt lädierte Schulter problemlos mit. Die Erleichterung über seinen Comeback-Sieg mit dem FC Bayern München war dem Nationaltorwart deutlich anzumerken. Denn das Signal, das Neuer mit seiner Leistung beim 3:2 (3:2)-Sieg bei Hertha BSC in der Fußball-Bundesilga am Samstag sendete, war eindeutig: Alle WM-Zweifel sind unbegründet. «Wir sind alle froh in Deutschland, dass es Manuel wieder gut geht», sagte sein Trainer Julian Nagelsmann.

Neuer kann die DFB-Elf in wenigen Wochen bei seinem vierten Welt-Turnier anführen. «Ja, klar», sagte der 36-Jährige mit einem Grinsen. In Katar sei er dabei. Sofern ihn Bundestrainer Flick denn nominiere. «Das muss der Hansi entscheiden.» Es durfte also wieder gescherzt werden, bei Neuer und den Bayern, die sich zumindest bis zum Sonntag wieder an die Tabellenspitze setzten.

Der Erfolg in einem wilden Spiel war durch unkonzentrierte fünf Minuten vor der Halbzeitpause unnötig in Gefahr geraten. Grundsätzlich hatte Neuer aber gar nichts gegen das ordentliche Beschäftigungsprogramm, das ihm die Berliner in seinem ersten Spiel nach vier Wochen Zwangspause abverlangten. «Ich glaube, das war ganz gut für mich, dass ich nicht lange warten musste, bis ich den ersten Ball bekommen habe, so war ich im Spiel und hatte sofort ein gutes Gefühl und keine Probleme.» Er sei dadurch «gleich wieder on fire gewesen».

Und die verletzte Schulter, wie fühlte die sich an nach den ersten 90 Minuten nach vier Wochen Zwangspause? «Gut. Es gibt keine Probleme», sagte Neuer. «Normal» sei, dass es «hier und da nochmal zwickt», fügte er an. Auch einen Schreckmoment im Training am Vortag, als er auf die andere Schulter gefallen und gleich Schmerzen verspürt habe, sei mittlerweile verdaut. «Da habe ich kurz gedacht: Uups, was ist jetzt los?» Zweifel, dass die Probleme bis zur WM ausgeräumt sind, habe er eh nie gehabt. «Ich musste der Schulter nur Ruhe geben. Dann ging es flott.»

Flott ging es auch in Berlin. Keine vier Minuten waren gespielt, da musste Neuer das erste Mal ran. Den Schuss von Dodi Lukebakio boxte er aus dem Winkel. Auch bei Davie Selkes (11.) Versuch aus kurzer Distanz reagierte er schnell. Kurz darauf blockte er einen Versuch von Marco Richter (19.) mit dem Fuß und fischte auch einen Schlenzer des Offensivmanns (27.) aus dem Winkel. Alles keine Torwart-Heldentaten, aber Belege dafür, dass sich Flick keine Sorgen um Neuers Katar-Einsatz machen muss.

Jamal Musiala (12. Minute) hatte da längst die erste von vielen Hertha-Unachtsamkeiten eiskalt mit der Münchner Führung bestraft. Und für die Berliner kam es im Fußball-Kuriositäten-Kabinett dann richtig bitter. Erst legte Marc Oliver Kempf (37.) unfreiwillig für Eric Maxim Choupo-Moting auf, eine Minute später machte es sein Abwehrkollege Agostin Rogel ihm nach. Der Bayern-Neuner trifft wie er will – jetzt auch schon im Fallen und Liegen.

War es das schon? Nein. Die Hertha kam zurück, eine neue Qualität unter Trainer Sandro Schwarz. Lukebakio (40.) erzielte sein sechstes Karrieretor gegen die Bayern. Und Selke (45.) verwandelte einen von Benjamin Parvard an ihm selbst verschuldeten Elfmeter. 2:3 nach 0:3 – der Spielfilm der unglücklichen Niederlage gegen RB Leipzig hatte sich für die Hertha in 45 Minuten wiederholt.

Neuer hatte am Ende einer deutlich ruhigeren zweiten Halbzeit sogar noch Zeit für Kabinettstückchen. Herthas Wilfried Kanga tanzte er kurz vor Schluss mit einem Lupfer aus. «In der B-Jugend habe ich so was schon mal gemacht und jetzt halt ein zweites Mal», sagte Neuer zu seiner Ballzauberei.