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Auktion von Nazi-Gegenständen weckt enormes Interesse

Grasbrunn (dpa/lby) – Eine Debatte um eine umstrittene Auktion von Gegenständen aus dem Besitz von ranghohen Nationalsozialisten hat nach Einschätzung der Organisatoren die Aufmerksamkeit nur erhöht. «Der gewünschte Effekt ist nach hinten losgegangen», sagte Bernhard Pacher, Geschäftsführer von Hermann Historica in Grasbrunn bei München, am Donnerstag. «Es sind Leute darauf aufmerksam geworden, die sonst nie darauf aufmerksam geworden wären.»

Bei der Versteigerung vom Mittwoch wurden unter anderem Adolf Hitlers Faltzylinder (50 000 Euro), ein Cocktailkleid seiner Gefährtin Eva Braun (4600 Euro) und eine Luxusausgabe von Hitlers «Mein Kampf» (130 000 Euro) verkauft. Viele Preise – auch für das Kleid und das Buch – waren etwa doppelt so hoch wie erwartet. Insgesamt hätten von mehr als 800 Objekten rund 700 den Besitzer gewechselt. Pacher sprach von einer Verkaufsquote von rund 80 Prozent. «Eine normale Verkaufsquote liegt bei 40 bis 55 Prozent», sagte er.

Die Auktion hatte im Vorfeld großes Aufsehen erregt und Kritik ausgelöst. «Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben», hatte Rabbi Menachem Margolin von der European Jewish Association in Brüssel in einem Brief an das Auktionshaus geschrieben. Der Verband der Juden Europas forderte darin die Absage der Versteigerung.

Der Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung, Felix Klein, kritisierte die Versteigerung scharf. «Der Verfassungsschutz sollte solche Auktionen beobachten», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Geheimdienst müsse wissen, wer solche Gegenstände kaufe und wo sie hingingen, um die Bildung von Nazi-Wallfahrtsorten zu verhindern. Man könne derlei Versteigerungen zwar rechtlich nicht verbieten. «Aber sie sollten gesellschaftlich geächtet werden.»

Es war nicht die erste Auktion dieser Art bei Hermann Historica. Das Auktionshaus ist seit mehreren Jahren wegen seiner Versteigerungen von Nazi-Gegenständen umstritten. 2016 etwa ging eine Uniformjacke von Hitler für 275 000 Euro an den Höchstbietenden.

Pacher wehrte sich gegen die Vorwürfe. «Der mit Abstand größte Teil der Kunden, der bei uns einkauft, sind Museen, staatliche Sammlungen und private Sammler, die sich wirklich akribisch mit dem Thema auseinandersetzen», hatte er im Vorfeld gesagt. Auch am Abend der Versteigerung bekräftigte er: «Wir wollen keine Kellernazis hervorlocken.» Soweit er das beurteilen könne, habe dies auch geklappt. An der üblichen Käuferstruktur hat sich nach Pachers Einschätzung nichts geändert.

Für die Käufer sei der Andrang allerdings von Nachteil gewesen. «Sie mussten sehr viel mehr bezahlen als sonst», sagte Pacher. Die Preise seien etwa um 25 Prozent höher gewesen als bei anderen Auktionen.

Für Einlieferer – private Sammler und Händler – wie auch für Hermann Historica dürfte die Auktion daher lukrativ gewesen sein. Auf jeden verkauften Gegenstand behält das Auktionshaus 25 Prozent des Preises ein, hinzu kommt Pacher zufolge ein zusätzlicher variabler Anteil von bis zu 20 Prozent.