Trainer Julian Nagelsmann vom FC Bayern München lächelt., © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Nach Lewa-Ende: «Bayern München trotzdem strahlen lassen»

Das Ende der glor- und vor allem torreichen Ära von Robert Lewandowski beim FC Bayern begann mit vielen Fragen. Holen die Münchner einen neuen Superstürmer? Wer soll künftig die Tore schießen? Was macht der Rekordmeister mit den bis zu 50 Millionen, die er für den Weltfußballer kassiert? Einig waren sich Trainer Julian Nagelsmann und seine Führungskräfte am Samstag nach der Teamvorstellung in der Allianz Arena, dass das Ende des wochenlangen Wechselhickhacks positiv für alle Seiten war.

«Natürlich ist es so, dass wenn du einen Stürmer verlierst, der 40 Tore schießt über mehrere Jahre, dann ist das eine große Komponente, die wegbricht», sagte Nagelsmann. «Andererseits ist es eine große Herausforderung und eine große Chance für alle, trotzdem Bayern München strahlen zu lassen nach der Ära Lewandowski. Es war ja klar, dass dieser Moment irgendwann kommt – ob dieses oder nächstes Jahr.» Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte nach dem Abschied des «besten Stürmers seit Gerd Müller» beim FC Bayern «ein weinendes und ein lachendes Auge».

Lewandowski verabschidete sich via Instagram. In einem am späten Samstagabend veröffentlichten Beitrag schrieb der 33 Jahre alte Pole zunächst, er danke seinen Teamkollegen, allen Mitarbeitenden und dem Management des FC Bayern. «Sowie allen, die mich unterstützt haben und es uns ermöglicht haben die vielen Titel zu holen», ergänzte Lewandowski. «Ich bin sehr stolz auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben.»

Vor allem aber wolle er sich bei den Fans bedanken. «Ihr seid es, die den Verein ausmachen. Wir, die Spieler, sind nur für einen Moment da. Für mich währte dieser Moment acht wunderbare Jahre, die ich für immer in meinem Herzen behalten werde», betonte Lewandowski.

Am 30. Juni 2023 wäre der Vertrag des polnischen Superstürmers, der mit unzähligen Torrekorden begeisterte, in München ausgelaufen. Ein Jahr vor Vertragsende kassierten die Bayern die für einen fast 34-Jährigen stolze Ablöse. «Durch die Ablöse haben wir natürlich auch die Möglichkeit, weiter zu schauen, was sich noch tut auf dem Transfermarkt», sagte Vorstandschef Oliver Kahn. Sollte der Poker um Innenverteidiger Matthijs de Ligt (22) von Juventus Turin von Erfolg gekrönt sein, könnte die Bayern das Geld auch für diesen Transfer in der Größenordnung von rund 70 Millionen Euro gut gebrauchen.

Ein klassischer Neuner-Ersatz für Lewandowski hat aktuell nicht die größte Priorität. Solche Topstürmer-Typen wären etwa Karim Benzema von Real Madrid oder Harry Kane von Tottenham Hotspur. «Der Markt ist natürlich begrenzt, viel schwieriger ist natürlich die Finanzierung der zur Verfügung stehenden Spieler», sagte Nagelsmann. «Wir haben eh viel Auswahl. Das war letztes Jahr schon schwer zu moderieren, die ganzen Offensivspieler auf die Positionen zu bringen.»

344 Tore in 375 Spielen lautet die imposante Ausbeute Lewandowskis. «Wenn wir die Schüsse jemand anderem organisieren können – wir müssen eben umverteilen», sagte Thomas Müller. «Wir müssen schauen, dass wir weiter erfolgreich bleiben. Ich bin mir sicher, dass sich die Statik unseres Offensivspiels ein bisschen verändert.» Der 33-Jährige sieht nun die verbliebene Offensivgarde um ihn, Serge Gnabry, der am Samstag bis 2026 verlängerte, Leroy Sané, Kingsley Coman oder den zum neuen Superstar von den Bayern-Bossen auserkorenen Neuzugang Sadio Mané gefragt.

«Wir haben ja Neuner im Kader und ich glaube, dass es immer Lösungen gibt. Wir sind hervorragend besetzt vorne», sagte Nationalspieler Leon Goretzka. «Ich bin froh, dass da eine Lösung gefunden wurde, die für beide anscheinend okay ist. Ich glaube, das hat die ganze Geschichte von Lewandowski bei Bayern auch verdient.»