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Mobbing und Liebeskummer trieben Amokläufer von München

München (dpa/lby) – Mobbing in der Schule, Liebeskummer wegen eines Mädchens und die Begeisterung für andere Amokläufer haben David S. einer Expertin zufolge vor zwei Jahren zu seinem Amoklauf in München getrieben. Zu diesem Schluss kommt die vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) beauftragte Kriminologin Britta Bannenberg. Ihr 80-seitiges Gutachten, das bereits im Juni vorgestellt wurde, ist am Freitag vom LKA im Internet veröffentlicht worden.

Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige Schüler David S. beim Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) acht Jugendliche und eine 45 Jahre alte Mutter ermordet, bevor er sich selbst das Leben nahm. Seitdem steht die Frage im Raum, ob es sich dabei um einen Terrorakt oder einen Amoklauf gehandelt hat. Für Bannenberg war die Gewalttat eindeutig ein Amoklauf.

Der Hass des Täters habe sich auch aus den schlechten Erfahrungen mit Mitschülern und Mädchen gespeist. «Der Täter ist ein typischer junger Amoktäter, der sich andere Täter zum Vorbild nahm und sich mit diesen und mit der Idee Amoklauf identifizierte», schreibt die Professorin der Universität Gießen (Hessen) in ihrem Gutachten. Den 18-Jährigen auf einen ausschließlich ideologisch motivierten Täter reduzieren zu wollen, werde weder dem Fall noch der Persönlichkeit des Täters gerecht. Das Bannenberg-Gutachten fließt nun in die endgültige Bewertung des Motivs durch Staatsanwaltschaft, Innenministerium und LKA ein.

Das LKA-Gutachten widerspricht damit drei anderen Gutachten, die Rechtsextremismusforscher 2017 im Auftrag der Stadt München erstellt hatten. Vielen Opferfamilien wünschen, dass die Tat als rechtsextrem und ausländerfeindlich anerkannt wird. Der Großteil der Toten hatte einen Migrationshintergrund.