Mittelalterliche Haare unter der Lupe: Wie beim Friseur

München (dpa/lby) – Menschen im Mittelalter legten offensichtlich Wert auf ihre Haartracht. Das ergab die Analyse von mittelalterlichen Haarbüscheln aus München am Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA). Die Haare seien glatt abgeschnitten gewesen wie beim Friseur, teilten die Experten des Fachbereichs für Biologie am Freitag mit.

«Dieser Fund zeigt, dass diese Person eine Frisur hatte», sagte Eleonore Wintergerst, Archäologin an der Archäologischen Staatssammlung, für die das BLKA die Untersuchung durchführte. Einen konkreten Modetrend konnten die Forscher aber nicht erkennen: «Welche Frisur, können wir nicht sagen.» Die Haare seien an beiden Enden geschnitten. Das deute darauf hin, dass sie öfter gestutzt wurden.

Die Haare waren bei Ausgrabungen am Marienhof entdeckt worden – ein extrem seltener Fund, da sich Haare normalerweise schnell zersetzen. Hier aber seien sie bei Feuchtigkeit dicht abgeschlossen gewesen, so dass kein Sauerstoff herankam.

Die Archäologen hatten die Haare in einem ehemaligen Brunnenschacht entdeckt, der um das Jahr 1261 angelegt und mit Hölzern ausgekleidet wurde. Es ist die älteste bislang bekannte Baukonstruktion Münchens. Im Lauf der Jahrhunderte wurden in den Schacht mehrere Schichten unter anderem mit Bauschutt eingefüllt, um ihn als Latrine zu nutzen. In dem früheren Brunnen sei der persönliche Abfall von Menschen entsorgt worden. In den oberen Schichten entdeckten die Forscher dann die Haarbüschel. Sie werden auf die Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert datiert.

Der Fund sei ein wichtiger Mosaikstein bei der Rekonstruktion des Bildes, wie die Menschen im Spätmittelalter in München lebten und worauf sie Wert legten. «Menschliche Haare an sich haben in allen Kulturen eine besondere Bedeutung», sagte Wintergerst. Auch Tierhaare wurden gefunden. Von welchem Tier sie stammten, blieb unklar.

Am Münchner Marienhof wird für die zweite Stammstrecke der S-Bahn gebaut. Im Zuge dessen laufen archäologische Untersuchungen. Dabei wurden zahlreiche Gegenstände ausgegraben, die bis in die Zeit der Stadtgründung zurückreichen – und zum Teil noch älter sind.

Die Experten des BLKA untersuchen üblicherweise nach einer Straftat Haare als Spuren, um sie einem Täter oder einem Opfer zuzuordnen.

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