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Tote und Verletzte nach Angriff auf Krankenhaus in Kabul

Kabul (dpa) – Bei einem Angriff auf das größte Militärkrankenhaus Afghanistans sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden.

Nach Angaben der Taliban starben zwölf Menschen, darunter fünf Kämpfer der Terrormiliz Islamischen Staat (IS). Zudem seien fünf Menschen verletzt worden. Der lokale TV-Sender Ariana News sprach unter Berufung auf Augenzeugen von mindestens 15 Todesopfern und 34 Verletzten.

Taliban-Sprecher bestätigten mindestens zwei Explosionen, eine davon am Tor zum Krankenhaus. Die von den Taliban kontrollierte staatliche Nachrichtenagentur Bachtar berichtete, dass nach der ersten Explosion mehrere Kämpfer des IS in das Krankenhaus vorgedrungen seien und sich dort Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert hätten.

Die Angreifer hätten auf jeden geschossen, den sie sahen, sagte eine Krankenschwester dem gut vernetzten Journalisten Bilal Sarwari. Ein Arzt im Militärkrankenhaus bat auf Facebook, man solle ihn nicht mehr anrufen – er müsse sich doch verstecken. Pro-Taliban-Nutzer auf Twitter schrieben, bei dem Angriff sei auch ein hochrangiger Taliban-Kommandeur ums Leben gekommen. Am frühen Abend (Ortszeit) teilte das Verteidigungsministerium mit, eine Gruppe von Selbstmordattentätern sei eliminiert worden. Einzelne Taliban-Offizielle sprachen davon, dass mindestens ein Attentäter festgenommen worden sei.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Vorfall. 2017 wurde das Militärkrankenhaus bereits einmal von Kämpfern des IS angegriffen. Damals befand es sich unter Kontrolle der Regierung von Präsident Aschraf Ghani, im Krankenhaus befanden sich Hunderte afghanische Sicherheitskräfte zur Behandlung. Bei dem sieben Stunden dauernden Angriff kamen Dutzende Menschen, darunter Personal des Krankenhauses, ums Leben. Danach wurden die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Spital massiv verstärkt.

Es war zunächst unklar, wer aktuell in dem Krankenhaus behandelt wird. Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Polizei und Armee zerfielen, nur wenige Polizisten und Soldaten sind aus Angst vor Racheakten der Taliban zu ihren Posten zurückgekehrt.

Allerdings, so heißt es von ehemaligen Militärs, seien viele Militärärzte an ihren Arbeitsplatz im Krankenhaus zurückgekehrt. Die Taliban behelligten sie nicht. Kürzlich war auch der Vizechef des Krankenhauses, ebenso ein Angehöriger der Armee unter Ex-Präsident Aschraf Ghani, in Uniform zusammen mit dem neuen Taliban-Verteidigungsminister im Militärkrankenhaus aufgetreten.

Zuletzt schienen sich die Angriffe des IS in Afghanistan zu mehren. In den vergangenen Wochen reklamierte die Terrormiliz zwei Angriffe auf Moscheen mit Dutzenden Toten sowie zahlreiche kleinere Anschläge vor allem in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes für sich. Die Taliban haben den IS seit dessen Auftauchen in Afghanistan Anfang 2015 trotz ideologischer Nähe bekämpft.

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