Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) spricht bei einer Pressekonferenz., © Daniel Löb/dpa

Mehr Syrer, weniger Briten: Einbürgerungen in Bayern

Sie haben sich für Deutschland entschieden:
23 158 Menschen sind in Bayern im vergangenen Jahr eingebürgert worden – das sind dem Innenministerium zufolge 14,7 Prozent mehr als 2020. Die Corona-Pandemie hatte vorübergehend für eine rückläufige Zahl gesorgt. Die Einbürgerungen seien ein Zeichen erfolgreicher Integration, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München bei der Präsentation der Statistik.

Kritik übte der Minister an den Plänen der Bundesregierung zur Mehrstaatigkeit. Diese auszuweiten sowie die für die Einbürgerung notwendige Aufenthaltszeit zu verkürzen, «halte ich für das falsche Signal». So könnte es zu Loyalitätskonflikten kommen und eventuell noch keine vollständige Integration stattgefunden haben.

Bei Drittstaatsangehörigen – also jenen Ausländern, die nicht aus dem Bereich der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) stammen – lag der Anteil der Mehrstaatigkeit 2021 der Statistik nach bei 55,5 Prozent. Das liegt dem Minister zufolge unter anderem an der Zunahme der Einbürgerungen aus dem Irak, Syrien und Afghanistan – also aus Ländern, deren Staatsangehörigkeit «fast nie» aufgegeben werden könne.

Die meisten Eingebürgerten im Jahr 2021 – nämlich 2418 Menschen – stammten aus Rumänien. Bei den Einbürgerungen aus Herkunftsländern außerhalb der EU löste demnach erstmals Syrien mit 2033 Menschen den jahrelangen Spitzenreiter Türkei (1901 Eingebürgerte) ab.

Bei den EU-Staaten folgten Italien (1096), Polen (815), Ungarn (718) und Griechenland (682). Großbritannien gehört seit dem Brexit zu den Nicht-EU-Staaten, aus dem Vereinigten Königreich wurden 576 Menschen eingebürgert, was einen deutlichen Rückgang bedeutet: 2020 waren es 905 Menschen und 2019 noch 2087 eingebürgerte Briten.

Stellvertretend für die Eingebürgerten haben vier Menschen, «die sich in Bayern hervorragend integriert haben», ihre Einbürgerungsurkunden samt Text der bayerischen Verfassung vom Minister überreicht bekommen: eine Rumänin, die in Nürnberg lebt und in Erlangen als Architektin arbeitet; ein syrischer Staatsangehöriger, der in München seinen Realschulabschluss erworben hat und jetzt eine kaufmännische Ausbildung bei der Stadt München absolviert; eine Spanierin, die in ihrem Heimatland Philologie und Anglistik studiert hat und im Sprachzentrum der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm tätig ist sowie ein italienischer Staatsangehöriger aus dem Landkreis Kelheim, der an der Hochschule München Fahrzeugtechnik und Ingenieurakustik studiert hat und als Versuchsingenieur arbeitet.