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«Löwen»-Legende Lorant feiert 70. Geburtstag

Waging am See (dpa) – Nora? Karin? Irmgard? Werner Lorant verliert selbst zwischen all den Frauennamen nicht die Orientierung. «Eva drei – wo ist das?», wurde die Trainerlegende des TSV 1860 München auf dem Strandcamping Waging am See in Oberbayern schon mal gefragt. Lorant, selbst eine Art Dauercamper, konnte Besuchern bei der Stellplatzsuche auf der 35 Hektar großen Anlage weiterhelfen. Grob gesagt jedenfalls liegt Eva drei zwischen Fanni und Dora.

Lorant ist mittlerweile Rentner. Seit 2013 lebt der Mann, der sich ob seiner Härte gegen Kontrahenten, Mitspieler und sich selbst den Beinamen «Beinhart» verdiente, in einem Apartment auf der Fünf-Sterne-Anlage. Wie groß seine Wohnung ist, weiß er selbst nicht genau. Es gebe auf jeden Fall «reichlich Platz zum Saubermachen», sagt Lorant der Deutschen Presse-Agentur, lacht und steckt sich eine von vielen Zigaretten an diesem Vormittag an.

Sein Apartment liegt genau über der Rezeption des Campingplatzes – Lorant steht damit auch hier im Zentrum. «Wenn ich komme, ist immer was los», sagt der frühere Bundesligacoach. Und wenn mal nichts los sein sollte, sorgt Lorant schon selbst dafür. Wenn jemand mit überhöhter Geschwindigkeit im Auto auf der Anlage unterwegs ist, kriegt der von ihm schon mal was nachgerufen – zumindest einen bösen Blick nachgeworfen. «Hier ist es gemütlich», versichert Lorant, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird. «Hier fühle ich mich wohl.»

Es ist ein langer Weg von Welver im Kreis Soest, wo er geboren wurde, bis auf einen Campingplatz mit Blick auf die Chiemgauer Alpen. Lorant ist das älteste von sieben Kindern, hat Maler und Anstreicher gelernt, früh zeichnete sich bei ihm jedoch das Talent zum Fußballprofi ab. Als schonungsloser Defensivspieler grätschte er unter anderem für Borussia Dortmund, Rot-Weiss Essen und Eintracht Frankfurt. Seinem Gegenspieler Jupp Kapellmann griff Lorant einst so stark ins Gemächt, dass der Nationalspieler ins Krankenhaus musste.

Einstecken und vor allem Austeilen – so war der an der Seitenlinie nicht selten cholerische Lorant auch als Trainer. An der Seite des damaligen Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser führte der Mann mit der weißen Starkstromfrisur die «Löwen» von Juli 1992 an von der 3. Liga fast bis in die Champions League. Im Oktober 2001 musste Lorant den TSV 1860 verlassen und schied von Wildmoser im Streit. «Mit dem Werner war es schon nervig, er war ein sehr anstrengender Mensch», räumte der 2010 gestorbene Wildmoser einmal ein.

Nach Stationen in der Türkei, Südkorea, China und dem Iran landete Lorant in Waging am See. Der Inhaber der Anlage, ein «Löwen»-Fan, bot ihm die Unterkunft an. Im Sommer trainiert Lorant dafür den Nachwuchs auf dem Campingplatz. Mit der heutigen Spielergeneration kann er indes kaum noch etwas anfangen. «Es fehlt bei vielen die richtige Einstellung, noch besser zu werden», kritisiert Lorant. Unselbständig seien viele Profis obendrein. «Die meisten können sich noch nicht einmal selber eine Wohnung suchen», ätzt er. «Die kriegen alles in den Arsch geblasen.»

Mit der heutigen Profigeneration hat Lorant gebrochen, mit sich selbst wirkt er im Reinen. Sein Hund Jackson, ein Mischling aus einem spanischen Tierheim, tut ihm gut. Mit ihm muss Lorant schließlich jeden Tag raus an die frische Luft. «Das hält mich fit», sagt er.

Seinen Geburtstag feiert er zusammen mit seiner Lebensgefährtin bei seiner Mutter Gertrud in Welver. 99 Jahre alt geworden sei sie vor Kurzem, erzählt Lorant. «Ich werde auch 100, das weiß ich», behauptet er, lacht und verschwindet in seinem Apartment, das grob gesagt zwischen den Stellplätzen Adelheid und Anna liegt.