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Marsch will angstlose Leipziger gegen Bayern: Spion Sabitzer

Leipzig (dpa) – Die größten Sorgen bereitet Jesse Marsch vor dem Topspiel gegen Bayern München sein ehemaliger Kapitän. Denn der erst jüngst von RB Leipzig zum deutschen Fußball-Rekordmeister gewechselte Marcel Sabitzer verfügt über gehöriges Insiderwissen, was die Philosophie des neuen RB-Trainers betrifft. «Wir haben über dieses Thema im Trainerstab gesprochen. Natürlich können wir ein wenig ändern, aber wir sollten nicht versuchen, zu schlau zu sein. Wir sollten uns auf unsere Aufgaben konzentrieren», sagte Marsch am Donnerstag.

Und die heißt – auch beim Gegner Bayern mit Ex-Coach Julian Nagelsmann – unbedingt gewinnen. Denn mit nur einem Sieg aus den ersten drei Spielen hinkt RB den eigenen Ansprüchen hinterher. Nun müssen im Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) schon die Bonuspunkte gegen die Bayern her, um die übermächtigen Münchner nicht schon Mitte September nur noch mit dem Fernglas verfolgen zu können.

Marsch versprüht seinen gewohnten Optimismus. «Gerade zu Hause haben wir gegen München immer gut gespielt», betonte der 47-Jährige und verwies auf die 34.000 Zuschauer, die am Samstag im Stadion sein werden: «Meine Botschaft an die Fans ist: Kommt mit Power. Das wird eine neue Situation, denn so viele Fans waren lange nicht im Stadion.»

Die Mannschaft soll dann neben Power vor allem Furchtlosigkeit haben – trotz des Liga-Fehlstarts. «Normalerweise hat man mehr Druck, weil nicht alles gewonnen wurde. Aber mit so einer jungen Mannschaft muss man angstlos spielen», sagte Marsch. «Wir reden nicht über Druck, sondern glauben an unsere Mannschaft und unseren Prozess.»

In diesem stand am Donnerstag noch einmal eine wichtige Videositzung an. Marsch und sein Team sprachen klar an, was ihnen in den bisherigen Spielen nicht gefallen hat. Es ging um die taktische Positionierung mit und gegen den Ball. Gegen Stuttgart habe das laut Marsch gut funktioniert, in Wolfsburg eher weniger.

Deshalb wird der Coach auch personelle Konsequenzen ziehen. Kevin Kampl winkt eine Rückkehr in die Startelf, zudem ist Olympia-Fahrer Dani Olmo wieder bereit. Möglich ist auch, dass Marsch in Yussuf Poulsen einen zweiten Stürmer bringt, um seinem Star-Einkauf André Silva ein wenig die Last zu nehmen. Ein Systemwechsel würde zudem Nagelsmann mindestens ein wenig zum Nachdenken bringen.

Zwar stand Marsch ein Großteil seiner Spieler in der Länderspiel-Pause nicht zur Verfügung. Doch einen Nachteil sieht er darin nicht zwingend. «Die meisten Jungs hatten sehr gute Länderspiele, haben Tore geschossen und Spiele gewonnen», sagte der Trainer. Diese persönlichen Erfolge seien durchaus ein Vorteil.

Auch in der etwas abenteuerlichen Rückreise von Lukas Klostermann sieht Marsch kein Problem. Der Nationalspieler war mit dem DFB-Tross durch eine Zwangslandung in Schottland aufgrund technischer Probleme deutlich länger unterwegs als geplant. Erst am Donnerstagabend wurde Klostermann in Leipzig zurückerwartet. «Lukas hat nicht 90 Minuten gespielt. Es war ein wenig stressig mit der Notlandung, aber er ist ein starker Junge und kann damit umgehen», sagte Marsch.

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