Kater Larry, «Oberster Mäusejäger des britischen Kabinetts», steht vor seinem Domizil in der Downing Street., © Frank Augstein/AP/dpa

Larry the Cat: Der Kater, dem die Briten vertrauen

Sein offizieller Titel lautet «Chief Mouser»: Der Kater Larry versieht seit mehr als zehn Jahren seinen Dienst im Amtssitz der britischen Premiers in der Londoner Downing Street. Wenn am 6. September voraussichtlich Liz Truss als Nachfolgerin von Boris Johnson die Schlüssel zu der berühmten schwarzen Tür erhält, wird sie bereits die vierte Person an der Regierungsspitze sein, mit der Larry sein Zuhause teilt.

Der «Tabby», wie man im Englischen auch sagt, vermittelt den Briten das Gefühl einer gewissen Stabilität inmitten politischer Turbulenzen, seit er im Jahr 2011 vom damaligen Premier David Cameron aus dem Tierheim Battersea Dogs and Cats Home nach Westminster geholt wurde. Laut Regierungswebseite erreichen die Downing Street täglich «Geschenke und Leckereien» für den Kater.

In der für die Öffentlichkeit abgesperrten Downing Street, die oft von Fotografen und Kameraleuten belagert wird, sorgt er oft für Abwechslung oder stiehlt den Politikern gar die Show. Beispielsweise, wenn er sich von den als Wachen abgestellten Polizisten die Tür öffnen lässt, Tauben jagt oder sich einfach nur auf einem Fensterbrett in der Sonne fläzt.

Doch Larry ist längst mehr als nur ein beliebtes Haustier. Ein satirischer Twitter-Account in seinem Namen hat sich längst zum Social-Media-Phänomen entwickelt.

Mit knapp 650.000 Followern hat der Account @Number10cat eine größere Reichweite als die vermutlich nächste Regierungschefin und bisherige Außenministerin Liz Truss. Hinter den Tweets steckt eine einzige Person, die ihre Identität geheim halten will und lediglich klarstellt, dass es sich nicht um einen offiziellen Account handelt. Überrascht ist sie über ihren Erfolg nicht. «Hunde mögen die besten Freunde des Menschen sein, aber Katzen schmeißen das Internet», so der «Twitter-Larry» auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur und fügt hinzu: «Es stellt sich heraus, dass Katzenfotos und Politik eine unwiderstehliche Mischung sind!»

Kritisch-satirische Kommentare zur Tagespolitik

Die Posts sind oft kritisch-satirische Kommentare zur Tagespolitik und den Äußerungen des Premiers verbunden mit Bildern von Larry und Katzen-Memes. Glaubt man dem Twitter-Account ist Larry keineswegs begeistert von seinen bisherigen Mitbewohnern, insbesondere nicht von Johnson. Ob die künftige Regierungschefin mit mehr Wohlwollen rechnen kann, ist laut «Twitter-Larry» nicht wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen. Katzen seien zwar «immer natürlicherweise zynisch und kritisch, aber unterstützten auch gleichermaßen, wenn ihnen gefällt, was sie sehen».

Dabei hatte Truss bereits versucht, sich an den echten Larry anzubiedern. «Ich habe schon eine extrem positive Beziehung mit Larry. Ich denke, er schleicht sich oft an mich heran und ich bin eines seiner bevorzugten Kabinettsmitglieder», sagte die 47 Jahre alte Außenministerin bei einer Wahlkampfveranstaltung im innerparteilichen Duell mit Rishi Sunak um den Parteivorsitz der britischen Konservativen. Eines der Ziele ihrer Bewerbung sei, diese Freundschaft weiter zu vertiefen, so Truss.

Fit mit 15 Jahren

Der inzwischen 15 Jahre alte Larry macht noch immer einen fitten Eindruck. Da bereits spätestens in zwei Jahren die nächste Parlamentswahl ansteht, ist nicht auszuschließen, dass er den Amtssitz mit mindestens noch einem weiteren Regierungschef teilen wird. Gute Chancen hat nach Einschätzung des «Twitter-Larrys» Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei. Doch auch er könnte sich nicht automatisch auf das Wohlwollen Larrys verlassen, macht er deutlich.

Sollte der weiß-braune Kater mit Tigermuster sterben, will auch sein Alter Ego auf Twitter hinschmeißen. «Wenn es keinen Larry gibt, gibt es kein Profil. Es lebt, solange er lebt.»

Doch es scheint gut möglich, dass auch Larrys Posten dann wieder neu besetzt wird, denn der Regierungssitz hinter der Tür mit der Nummer 10 ist wie viele Häuser in der britischen Hauptstadt von Mäusen geplagt. Kaum ein repräsentatives Gebäude, in dem nicht die kleinen schwarzen Kästchen mit Giftköder an den Sockelleisten die Anwesenheit der kleinen Nager verraten, wenn man sie nicht selbst am helllichten Tag herumhuschen sieht.

Dabei bräuchte man angesichts des Ausmaßes vermutlich eine ganze Kompanie Katzen um dem Problem Herr zu werden. Auf der Webseite der britischen Regierung nimmt man es mit Humor. «Zu seinen täglichen Pflichten gehört auch, über eine Lösung für die Maus-Besetzung des Hauses nachzudenken», heißt es dort. Doch das sei immer noch in der «Planungsphase».