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Kleines Knauf-Museum zeigt Schliemanns großen Troja-Schatz

Iphofen (dpa/lby) – Schon als Neunjähriger wusste Heinrich Schliemann, dass er einmal das sagenumwobene Troja suchen und ausgraben wird. So schrieb es der deutsche Millionär und Kaufmann vor mehr als 100 Jahren zumindest in einer Biografie. Als 51-Jähriger machte er diesen Kindheitstraum schließlich wahr. Im Westen der Türkei stieß der Abenteurer in etwa acht Meter Tiefe unter anderem auf ein Stadttor, imposante Häuser, Mauern und wertvolle Schätze. Seiner Meinung nach hatte er Troja gefunden. Ob Troja oder nicht – historisch höchst wertvoll waren seine archäologischen Funde allemal. Sie dokumentieren die Kultur des Ortes über einen Zeitraum von knapp 4000 Jahren.

Ein Teil der Schliemann-Funde wird von Freitag an im Knauf-Museum im unterfränkischen Iphofen (Landkreis Kitzingen) ausgestellt. Die Ausstellung «Heinrich Schliemann – Troja» mit Leihgaben aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin sowie dem Martin-von-Wagner-Museum Würzburg wird bis zum 4. November zu sehen sein.

«Etwa 8000 Objekte brachte die Troja-Grabung von Schliemann hervor», sagte Museumsleiter Markus Mergenthaler. Mehr als 150 davon zeigt das kleine Museum in seiner Ausstellung. Sie stammen aus allen Erd- und damit Zeitschichten des möglichen Troja.

Darunter findet sich auch viel Schmuck und viele Gefäße aus Gold und Silber – der sogenannte Priamos-Schatz. «In sieben Vitrinien zeigen wir einen Großteil des Schatzes», so Mergenthaler weiter. Nicht alle Teile sind jedoch sind Originale, denn die liegen im Puschkin-Museum in Moskau, nachdem sie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs zunächst als verschollen galten. Ein Rückgabe verweigert Russland allerdings. In Berlin musste man sich deshalb mit Nachbildungen helfen.

Diese und viele andere Geschichten hinter den Funden von Schliemann erzählt die Knauf-Ausstellung auch anhand von Dokumenten und Filmen. «Die Besucher wird mit bewegten Bildern durch die Grabungszeit begleitet und bekommt das alles aus der Sicht Schliemanns mit», sagt Mergenthaler über das Ausstellungskonzept.

Der Museumsleiter will damit auch zeigen, dass Schliemann und seine Troja-Grabungen mehr waren als nur der berühmte Priamos-Schatz. «Schliemann war ein ausgesprochen intelligenter Mensch, er beherrschte 14 Sprachen. Er war Pionier und Autodidakt.» Und nicht unumstritten: Mit seiner brachialen Grabungsmethode entsetzte der Quereinsteiger viele Kollegen. Schliemann ließ – auf Basis der topografischen Hinweise des griechischen Geschichtenschreibers Homer in seinen Dichtungen über Troja – in den Hügel Hisarlik einen 40 Meter langen und 15 Meter tiefen Graben ziehen. So entdeckte er 1871 mehrere Bebauungsschichten und später seine sensationellen Funde. Mergenthaler: «Er war der Erste, der mal so richtig tief gegraben hat.»