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Keller vor «Club»-Debüt: «Kühlen Kopf behalten»

Fürth/Nürnberg (dpa/lby) – Ungemütlicher kann der Start für Jens Keller beim 1. FC Nürnberg kaum sein. Im emotionsgeladenen 265. Franken-Derby gegen den Lokalrivalen SpVgg Greuther Fürth gibt der ehemalige Erstligacoach sein Debüt auf der Trainerbank für den «Club». Nach nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Pflichtspielen muss Keller jenseits der Stadtgrenze am Sonntag (13.30 Uhr) beim derzeit gefestigt wirkenden fränkischen Nachbarn die Wende in der 2. Bundesliga einleiten.

Mit Übermotivation wird das jedoch kaum gelingen. «Entscheidend ist, dass wir kühlen Kopf behalten», mahnte Keller, der am Sonntag seinen 49. Geburtstag begeht. Seine neue Mannschaft müsse allerdings zugleich auch die «nötige Aggressivität» mitbringen und eine «gewisse Cleverness, Abgeklärtheit» zeigen. Ein Derby sei schließlich auch «etwas ziemlich Besonderes».

Die Nürnberger haben sich in den vergangenen Wochen als baufällig erwiesen. Deshalb trennte sich der «Club» auch vom Österreicher Damir Canadi und ersetzte ihn durch den früheren Schalker Coach Keller. «Die Mannschaft war relativ leise, aber das hat sich schon sehr, sehr gebessert. Die Mannschaft hat jetzt neun Tage richtig Gas gegeben», befand Keller, der vor allem die morsche Defensive der Nürnberger stärken muss.

Auf Verteidiger Georg Margreitter (Achillessehne) muss er weiter verzichten. Nach einem Schienbeinbruch könnte dagegen Fabian Schleusener in der Offensive als Einwechselspieler seine Premiere beim FCN geben. Zur Torwartfrage – Nachwuchs-Keeper Benedikt Willert oder der neu verpflichtete Felix Dornebusch – wollte sich Keller nicht äußern.

Im Gegensatz zum «Club» konnten die Fürther in der Trainerfrage ein Zeichen der Stabilität setzen und verlängerten nach neun Monaten Bewährungszeit den Vertrag mit Stefan Leitl vorzeitig bis zum Sommer 2021. Das Vertrauen will der ehemalige «Club»-Profi in drei Punkte umwandeln. In der jüngeren Vergangenheit präsentierten sich die Fürther in den direkten Ligaduellen auch sehr erfolgreich: Von zehn Partien gewannen sie sechs. «Das ist ein Derby, das ist ein wichtiges Spiel für uns Fürther», stellte Leitl am Freitag klar. Von gedrosselten Emotionen will er nichts wissen. «Ich will schon, dass meine Jungs ihren Emotionen freien Lauf lassen», forderte er.

Verzichten muss Leitl auf Offensivspieler Julian Green, der wegen einer Knieverletzung sogar für den Rest des Fußball-Jahres ausfallen könnte. Für seinen «Plan B» kämen zum Beispiel Tobias Mohr oder Marvin Stefaniak infrage. Die Einsätze von Mittelfeldspieler Paul Seguin (Rücken) und Verteidiger Mergim Mavraj (Schulter) sind fraglich.

Der Wechsel auf der Nürnberger Trainerbank von Canadi und Aushilfe Marek Mintal zu Keller stellt Leitl zufolge in der Vorbereitung durchaus eine Schwierigkeit dar. «Gewisse Automatismen werden unter dem neuen Trainer durchbrochen und es gibt neue Abläufe», meinte der Fürther Coach. Diese würden aber andererseits «auch noch nicht zu 100 Prozent funktionieren.» Das wünscht sich Leitl zumindest.