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Kein CSU-Abgeordneter mehr über 50 Prozent

Fürth (dpa/lby) – Bei der Bundestagswahl in Bayern hat erstmals seit Jahrzehnten kein CSU-Abgeordneter mehr über 50 Prozent der Erststimmen bekommen. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 haben die Christsozialen auch bei diesen Stimmen stark eingebüßt und kommen nun nur noch auf 36,9 Prozent, wie aus dem vom Landeswahlleiter am Montag veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht.

Das waren über 7 Prozentpunkte weniger als 2017. Von den einst in Bayern gewohnten turmhohen Erststimmenmehrheiten für die CSU war bei dieser Wahl nichts mehr zu sehen. 2013 hatten die CSU-Kandidaten landesweit noch knapp 54 Prozent der Erststimmen geholt, in neun Wahlkreisen sogar über 60 Prozent.

Dennoch war auch bei dieser Bundestagswahl in ländlichen Wahlkreisen der Vorsprung der CSU nach wie vor häufig zweistellig. Als einzige Partei im Bundestag ist die CSU mit keinem einzigen Listenkandidaten im Bundestag vertreten, alle 45 Abgeordneten sind direkt gewählt.

Mit dem bayernweit niedrigsten Ergebnis erfolgreich war im Münchner Norden der CSU-Abgeordnete Bernhard Loos, der seinen Wahlkreis mit 25,7 Prozent gewann. Und mit dem bayernweit knappsten Vorsprung ins Ziel kam der CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger im Wahlkreis München West, der laut vorläufigem Ergebnis mit 27 Prozent und 146 Stimmen Abstand vor dem Zweitplatzierten Dieter Janecek (Grüne) mit 26,9 Prozent lag.

Ein Sprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferats sagte dazu, dass die Ergebnisermittlung bis zur Feststellung des amtlichen Endergebnisses nicht abgeschlossen sei. Der Münchner Kreiswahlausschuss wird am 30. September tagen. Unmittelbare praktische Bedeutung hat das knappe Ergebnis ohnehin nicht, da Janecek über die Grünen-Landesliste in den Bundestag einzieht.

Sowohl bei den Grünen als auch in der SPD wird seit Jahren beklagt, dass die Kandidaten beider Parteien sich mit beträchtlichen Erststimmenanteilen wechselseitig kannibalisieren, so dass am Ende die CSU-Bewerber als lachende Dritte durchs Ziel gegeben. Bei den Zweitstimmen sind in München die Grünen die stärkste Kraft.

Von den drei prominenten CSU-Bundespolitikern Alexander Dobrindt, Andreas Scheuer und Dorothee Bär erzielte Landesgruppenchef Dobrindt in seinem Wahlkreis Weilheim mit 41,9 Prozent das beste Ergebnis, auch Digital-Staatsministerin Bär erzielte in Bad Kissingen mit 39,1 Prozent zumindest ein überdurchschnittliches.

Bundesverkehrsminister Scheuer in Passau hingegen rutschte auf 30,7 Prozent ab und lag damit weit unter dem niederbayerischen Erststimmenschnitt der CSU von 36,7 Prozent.

Das landesweit beste Ergebnis für die CSU erzielte wie bereits 2017 die oberfränkische Abgeordnete Emmi Zeulner in Kulmbach mit 47,8 Prozent. Unter den 45 CSU-Abgeordneten sind lediglich zehn Frauen, ungeachtet jahrelanger Appelle der CSU-Spitze an die Kreisverbände, mehr Frauen zu nominieren.

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