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Inhaftierter Journalist bekommt Geschwister-Scholl-Preis

München (dpa/lby) – Der inhaftierte türkische Journalist Ahmet Altan (69) bekommt den 40. Geschwister-Scholl-Preis – in Abwesenheit. Bei der Verleihung heute in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität soll an seiner Stelle Altans enge Vertraute Yasemin Congar die Auszeichnung entgegennehmen.

Altan, ein prominenter Journalist, der als Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt, war kurz nach dem Putschversuch in der Türkei vom Juli 2016 verhaftet worden. Er wurde im Februar 2018 wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein türkisches Gericht hatte Altan Anfang November nach drei Jahren Untersuchungshaft unter Auflagen freigelassen. Wenige Tage später wurde er jedoch erneut verhaftet.

Der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnet Altan für sein Buch «Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis» aus, in dem er von seiner Festnahme und der Untersuchungshaft berichtet, von Begegnungen mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Außerdem porträtiert er Mitgefangene.

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung soll an Sophie und Hans Scholl erinnern, die während der Nazi-Zeit der studentischen Widerstandsgruppe «Weiße Rose» in München angehörten und später von den Nationalsozialisten ermordet wurden.