Ein Wafer von Infineon ist in der Zentrale des Halbleiterherstellers zu sehen., © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Infineon erhöht die Prognose und warnt vor Unwägbarkeiten

Zweites Quartal – zweite Prognoseerhöhung: Die Geschäfte bei Infineon brummen. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz nun auf 13 bis 14 Milliarden Euro steigen, wie der Halbleiterkonzern aus Neubiberg bei München am Montag mitteilte. Zudem soll auch die Marge noch etwas höher liegen, als zuletzt angekündigt – also noch mehr Geld mit dem Umsatz verdient werden. Treffen die Vorhersagen ein, wird 2022 zum Rekordjahr für Infineon, wie der neue Konzernchef Jochen Hanebeck bestätigte.

Die neue Umsatzprognose liegt eine halbe Milliarde Euro höher als bisher. Zur ursprünglichen Jahresprognose sind es sogar 800 Millionen Euro. Hinter dem anziehenden Geschäft stecken zwei Treiber. Zum einen werden Infineon seine Produkte nach wie vor aus den Händen gerissen. Die Nachfrage übersteige «das Angebot deutlich», sagte Hanebeck. So steigt auch der Auftragsbestand immer höher: Binnen drei Monaten kletterte er von 31 auf 37 Milliarden Euro – das sind gut zweieinhalb Jahresumsätze. Zwar wird Infineon diese Aufträge nicht alle bedienen können, doch ihre Höhe zeigt die enorme Nachfrage im Markt.

Hinzu kommt der im Verhältnis zum Euro stärker werdende Dollar. Der größte Teil der Infineon-Umsätze wird in der US-Währung abgerechnet. Ist sie stärker, macht sich das in den in Euro gerechneten Konzernzahlen positiv bemerkbar. Für die neue Prognose sehen die Neubiberger den Euro nun fünf US-Cent schwächer als bisher.

Auch die Zahlen des zweiten Geschäftsquartals waren solide. Der Umsatz lag mit knapp 3,3 Milliarden Euro um 4 Prozent über dem Vor- und um 22 Prozent über dem Vorjahresquartal. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn lag mit 469 Millionen Euro um knapp drei Prozent über dem Vorquartal. Zum Vorjahresquartal ergab sich sogar mehr als eine Verdoppelung.

«In einem anspruchsvoller werdenden Umfeld läuft unser Geschäft weiterhin gut», sagte Hanebeck. Allerdings warnte er auch: «Globale Unwägbarkeiten belasten die Lieferketten, insbesondere der Krieg in der Ukraine und der weitere Verlauf der Coronavirus-Pandemie.» Allzugroß sind die Sorgen allerdings nicht: «Die Nachfrage in unseren Schlüsselmärkten ist nach wie vor robust», sagte Hanebeck. Zudem seien auch die langfristigen Wachstumstreiber des eigenen Geschäfts intakt.

Im Bereich erneuerbare Energien, für die Infineon Leistungshalbleiter produziert, wird der Trend vom Ukraine-Krieg sogar verstärkt, weil er die Bedeutung erneuerbarer Energien hebt. Der Ausbau der energiepolitischen Souveränität stehe «spätestens jetzt ganz oben auf der Agenda der meisten Regierungen weltweit», sagte Hanebeck. «Was klimapolitisch geboten ist, gewinnt nun auch an geostrategischer Relevanz.»

An der Börse konnte Infineon am Montag allerdings nicht überzeugen. Die Aktie lag am Mittag deutlich im Minus.