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IAB: Konjunktur-Erholung im nächsten Jahr

Nürnberg (dpa) – Arbeitsmarkt und Konjunktur in Deutschland werden sich laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im kommenden Jahr vom Corona-Schock erholen – allerdings nur, wenn eine Insolvenzwelle ausbleibt und es nicht zu einem zweiten Shutdown kommt. Das an die Bundesagentur für Arbeit angegliederte Institut ermittelte in seiner Herbstprognose für das laufende Jahr einen coronabedingten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,2 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresschnitt um 440 000 zunehmen.

Im kommenden Jahr könnte der Prognose zufolge die Wirtschaftsleistung wieder um 3,2 Prozent zulegen, die Zahl der Arbeitslosen im Durchschnitt um 100 000 sinken. «Der Arbeitsmarkt geriet massiv unter Druck, die Verschlechterung blieb angesichts des immensen wirtschaftlichen Schocks jedoch vergleichsweise begrenzt. Der Arbeitsmarkt stürzte auch aufgrund der Stabilisierungsmaßnahmen nicht ins Bodenlose», sagte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs «Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen».

Noch keine Erholungseffekte sagen die Experten im nächsten Jahr für das Gastgewerbe und den Einzelhandel voraus. Dort werde sich der Arbeitsmarkt auf dem Niveau von 2020, wofür ein Verlust von 230 000 Arbeitsplätze in der Branche geschätzt wird, stabilisieren, die im laufenden Jahr erlittenen Verluste aber nicht ausgleichen können. Gleiches gelte für den Bereich «sonstige Dienstleistungen», wozu die Ausrichtung von Sport- und Kulturevents zählt – hier wird für das laufende Jahr ein Verlust von 110 000 Arbeitsplätzen prognostiziert. Im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in der Automobilbranche und bei deren Zulieferern, fallen der IAB-Prognose zufolge im laufenden Jahr 160 000 Arbeitsplätze weg, im nächsten Jahr noch einmal 60 000.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich «Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit» (je 190 000 Jobs in beiden Jahren). Zuwächse erwarten die Experten auch in der Kommunikationsbranche, vor allem durch zunehmende Digitalisierung und die Vernetzung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen.

Dauerthema für die Unternehmen in Deutschland bleibt trotz konjunktureller Risiken der Fachkräftemängel. Das Potenzial an Erwerbstätigen wird im laufenden Jahr um 100 000 und im nächsten Jahr noch einmal um 50 000 schrumpfen, heißt es in der Prognose.